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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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H  ö  f  1  er.

eine  Grossmacht  da,  welche  sich  auf  das  französische  König
thum  in  Sicilien  stützend  mit  dein  Gedanken  beschäftigte,  an
der  Nordlciiste  von  Afrika  festen  Fuss  zu  fassen  und  Anstalten
zu  treffen,  das  mittelländische  Meer  in  ein  französisches  Binnenmeer ­
  umzuwandeln.  Und  obwohl  die  Eroberung  von  Tunis
1270  misslang,  wie  die  von  Aegypten  1248  misslungen  war,
die  des  Königreichs  Aragon  1285  gleichfalls  sich  verzog,  wie
1216  die  Erwerbung  von  England,  so  ward  docli  durch  'die
Beirath.  Philipps  (IV.)  mit  der  Erbin  von  Navarra  dieses
wichtige  Königreich  erworben  und  der  Sattel  auf  die  Pyrenäen
gelegt,  wie  die  Deutschen  ihn  auf  die  Alpen  gelegt  hatten.
Die  nächste  Zeit  sah  bereits  K.  Philipp  IV.  au  der  Zertrümmerung ­
  des  Königreiches  Arelat  arbeiten  und  als  1310  Lyon
gewonnen  worden  war,  1349  der  letzte  Delphin  —  Fürst  der
Dauphine  —  sein  Fürstenthum  der  französischen  Krone  abtrat,
so  war  die  Erwerbung  des  mit  dem  deutschen  Reiche  verbundenen ­
  niederburgundischen  Reiches  nur  mehr  eine  Frage
der  Zeit,  das  französische  Königthum  aber  bereits  im  Anfänge
des  vierzehnten  Jahrhunderts  zu  einer  den  Nachbarn  Frankreichs ­
  höchst  gefährlichen  Macht  emporgestiegen,  von  welcher
jene  nur  der  grosse  englische  Krieg  befreite,  den  vorübergehend ­
  nach  zwanzigjähriger  Dauer  der  Friede  von  Bretigny
1360  beendigte.  Damals  war  aber  das  Königreich  Navarra
schon  wieder  für  die  Krone  verloren  gegangen,  während  fünf
Jahre  später  K.  Karl  IV.  durch  seine  Krönung  in  Arles  dieses
Königreich,  so  weit  es  eben  noch  als  ein  Ganzes  bestand,
wieder  mit  dem  deutschen  Reiche  verband. 1
Die  zunehmende  Schwäche  des  deutschen  Reiches,  dessen
Verband  mit  Italien  sich  löste,  das  selbst  erst  an  der  Wiederaufrichtung ­
  .eines  einheitlichen  Königthums  arbeiten  musste
und  dessen  Kaiserthum  seit  1245  nie  mehr  zu  einer  ordentlichen ­
  Macht  gelangte,  hatte  wesentlich  beigetragen,  dem  französischen ­
  Königthume  eine  so  einflussreiche  und  hervorragende
Stellung  zu  verschaffen.  Es  hatte  sich  aber  denn  doch  seine
Macht  nur  aus  Grafschaften,  Seigneurien  und  einigen  IJerzogthümern
  gebildet,  während  der  Begründer  des  königlichen
1  Hofier,  Ueber  die  Beziehungen  K.  Karls  IV.  znm  arelatisclien  Königreiche. ­
  Sitzungsberichte  der  gelehrten  Gesellschaft  (16.  Jänner  1865).
            
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