Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  romun.  Welt  und  ihr  Verhaltniss  zu  den  Reformideen  des  Mittelalters.  263

sich  in  Naxos  Venetianer  aus  dem  Hause  Sanudo,  die  genuesischen ­
  Zaccaria  auf  Chios,  die  florentiuischen  Acciajuoli  in
Athen,  Korinth  (1358)  und  Achaja;  die  Grafen  von  Kephalenia
  wurden  1318—1335  Despoten  von  Epirus.  Die  Herzogthümer
  Athen  und  Neopaträ  iielen  dem  aragonischen  Königshause ­
  zu.  Man  zählte  von  1283—1362  auf  Kreta  (Gandia)
nicht  weniger  als  ein  und  vierzig  venetianische  Herzoge.  Aber
die  Streitigkeiten  unter  den  Lateinern  selbst  verschafften  den
Griechen  wieder  Boden.  Die  Serben  durch  die  allgemeine
Umwälzung  aufgeregt,  suchten  Küstenplätze  am  adriatischen  und
griechischen  Meere  zu  gewinnen.  Die  Albanesen  rückten  von
Epirus  nach  dem  Süden  vor.  Das  neue  Kaiserthum  verschwand
im  vierzehnten  Jahrhunderte  wie  das  lateinische  von  Constantinopel
  im  dreizehnten  und  zuletzt  hielten  beinahe  nur  die
Venetianer  die  Herrschaft  des  lateinischen  Elementes  im  Osten
aufrecht,  wenn  auch  noch  im  vierzehnten  Jahrhunderte  der
König  von  Cypern,  Peter,  Haupt  und  Führer  eines  neuen  Kreuzzuges ­
  zu  werden  schien,  selbst  Alexandria  erobert,  geplündert,
dann  aber  aufgegeben  wurde.
Verweilt  man  bei  dieser  Staatenbildung  des  romanischen
Adels,  so  zeigt  sich  ein  successives  Vorschieben  nach  dem  Osten;
Deutschland  ist  umspannt,  seine  Verbindung  mit  Italien,  das
Wei»k  seiner  grössten  Kaiser,  ist  der  Auflösung  preisgegeben
und  selbst  in  Betreff  der  romanischen  Stammländer  bildet  sich
durch  die  Herrschaft  der  Anjou’s  in  Ungarn  ein  neuer  Kern,
der  Mittelpunkt  eines  staatlichen  Lebens,  das  freilich  um  ein
Jahrhundert  zu  spät  kommt.  Ungarn  durfte  das  lateinische
Reich  nicht  in  die  Hände  der  Griechen  fallen  lassen,  weder
die  Uebermacht  der  Bulgaren,  noch  die  der  Griechen  an  der
europäischen  Küste  des  Bosporus,  des  Marmorameeres,  des
Hellespontes  dulden.
Es  war  natürlich,  dass  bei  einer  so  beispiellosen  politischen ­
  Thätigkeit  des  romanischen  und  vor  Allem  des  französischen ­
  Adels  das  französische  Königshaus  ungewöhnliche
Kraft,  Vorsicht  und  Klugheit  entfalten  musste,  nicht  geradezu
von  dem  Adel  überflügelt  und  auf  die  Seite  gedrückt  zu
werden.
Mit  grosser  Vorsicht  gingen  die  Capetinger  auch  in  der
That  daran,  das  Königthum  dem  Einflüsse  der  grossen  Krön-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.