Die roman. Welt und ihr Verhältniss zu den Reformideen des Mittelalters./ 261
gekrönt wurde, schmückte sich mit der Krone von Jerusalem
und vonCyprus. 1 Markgrafen von Montferrat wurden Könige
von Salonichi, noch früher Heinrich Graf von der Champagne
(1194) König von Jerusalem. 2 Nachdem Grafen von
Flandern auf den lateinischen Kaiserthron von Constantiuopel
erhoben worden, kam das Haus des Grafen Peter von
Auxerre und Courtenay, eines Enkels K. Ludwigs von Frankreich.
3 Ein Graf von Brienne, Johann, ward König von
Jerusalem, Kaiser von Constantinopel 1229. Als das Königshaus
der Normannen in England bereits in der zweiten Generation
im Mannsstamme erlosch 1135, fiel das Königthum an
Stefan Grafen von Blois und Boulogne, dauernd an die
Grafen von Anjou und Maine (Haus Plantagenet 1154). Die
Grafen von der Champagne wie später die von Evreux
wurden Könige von Navarra. Karl Graf von Anjou, durch
seine Gemahlin Graf von der Provence und Forcalquier,
wurde dadurch Erbe des catalaniscken Grafenhauses. Man
glaubte selbst das Kaiserthum der Deutschen sei für immer
erloschen und werde niemals wieder hergestellt. Damals berief
Papst Alexander IV. den Enkel des Königs Johann von England,
der sich zum Vasallen des römischen Stuhles gemacht,
Edmund, Sohn K. Heinrichs III., auf den Thron von Sicilien.
Der Prinz war bereits als designirter König den englischen
Baronen in apulischer Kleidung gezeigt worden 1257,
als an der Zögerung K. Heinrichs die Unterhandlungen sich
zerschlugen und hierauf mit Karl Grafen von Anjou und der
Provence 1262 aufgenommen, zu Ende geführt und die sicilischen
Länder den Staufern entrissen wurden, sie dem Hause
Anjou zukamen. Von da aus wurde dann selbst an der Eroberung
von Constantinopel gearbeitet, und als diese Pläne
durch den Verlust Siciliens 1282 scheiterten, gew r ann das Haus
Anj ou in seiner Primogeniturlinie die Kronen von Ungarn und
Croatien, 1370 selbst die von Polen.
Der Untergang des romäischen Reiches in Europa und die
Zurückweisung der Griechen nach Nikäa und Trapezunt (1204)
1 Du Cange, p. 24.
2 Du Cange, p. 29.
3 Gekrönt 1217. ltuyn, ann. 1217. n. 4.