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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Oie  roraan.  Welt  und  ihr  Verliältnies  zu  den  Reformideen  des  Mittelalters.  259

spanischen  Mark  mit  dem  karolingischen  Reiche  hatten  den
französischen  Adel  über  die  Pyrenäen  geführt,  die  gleiche
Sprache  verknüpfte  die  Provengalen  und  Catalanen,  dasselbe
gräfliche  und  königliche  Haus  die  Provence,  Cerdagne,  Roussillon, ­
  Cataluna  mit  Aragon;  französische  Ritter  und  Herren
drangen  nach  dem  Königreiche  Leon,  betheiligten  sich  an  den
spanischen  Kreuzzügen,  blieben  in  den  spanischen  Ländern
zurück.  Es  erfolgte  nicht  in  gleichem  Masse  wie  in  England
die  Begründung  eines  fremden,  französisch  -  normannischen
Königthums,  aber  die  Ersetzung  mehr  als  einer  einheimischen
Dynastie  durch  eine  ursprünglich  französische.  Es  entfaltete
sich  nicht  blos  das  Ritterthum  in  Frankreich  und  von  Frankreich ­
  aus  viel  früher  und  grossartiger  als  anderswo;  es  nahm
auch  einen  sehr  praktischen  Charakter  an.  Es  handelte  sich
nicht  blos  um  ritterliche  Abenteuer,  sondern  gerade  das  Auftreten ­
  des  französischen  Adels  verlieh  dem  Lande  zwischen
Deutsch-Lothringen  und  den  Pyrenäen,  dem  biskaischen  und
dem  Mittelmeere  eine  Centralstellung  ganz  eigentümlicher
Art,  die  den  Verlust  der  Kaiserkrone  unschwer  verschmerzen
liess.  Und  zwar  hat  sich  darin  der  französische  Adel  mit
seiner  Expansivkraft  ohne  Gleichen  früher  zurecht  gefunden,
als  die  Krone,  welche  nicht  hindern  konnte,  dass  das  burgundische
  Reich,  dieser  ehemals  so  wichtige  Bestandteil  des
merovingischen  und  karolingischen  Reiches,  erst  zwischen
Italien  und  dem  deutschen  Reiche  hin-  und  herschwankte,
dann  ein  Bestandtheil  der  deutschen  Krone  wurde.  Der  alte
westgothische  Theil  Galliens  gravitirte  mehr  zum  Ebro  als  zur
Seine  und  Loire,  und  nur  langsam  entschied  sich  das  Uebergewicht
  des  französischen  Königthums  über  die  Macht  der
grossen  Vasallen,  die  ausserhalb  Frankreichs  jene  Königskronen
erlangten,  welche  im  Innern  des  Reiches  die  Nachfolger  Hugo
Capet’s  für  sich  behaupteten.
Da  erlangte  Raymond  Graf  von  Hochburgund  (j-  1106)
für  sein  Haus  das  Anrecht  auf  das  Königreich  Castilien  und
wurde  er  der  Begründer  eines  Königshauses,  das  Castlliens
Uebermacht  über  die  Mauren  siegreich  behauptete  und  in  einem
seiner  Zweige  selbst  die  vielen  Kronen  des  Königreichs  Aragon
erlangte,  Spanien  bis  1516  zur  dominirenden  Macht  erhob.
Ein  Urenkel  Hugo  Capets,  Herzog  Heinrich  von  Burgund,
Silzuogsber.  d.  phil.-his|  CI.  XCI.  Bd.  II.  Hft.  18
            
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