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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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Mnth.

seiner  Darstellung  dienen;  so  z.  B.  wenn  Günthers  'Heer  auf
1000  Ritter,  9000  Knechte  und  60  Recken  darüber  angegeben
wird.  An  solchen  Ziffern  aber,  die  man  am  festesten  glauben
sollte,  mäkeln  gerade  die  Bearbeiter;  hier  treten  rationalistische
Scrupel  zu  Tage  (bei  der  Doppelhochzeit  in  Worms  empfangen
nach  A  600,  J  500,  C  400  Degen  das  Schwert  Nib.  569,  1;
das  Schiff,  auf  dem  die  Burgunden  über  die  Donau  setzen,
fasst  nach  Hd  500,  nach  C  400  Mann  1511,  7);  weit  eher
bleiben  die  sogenannten  ,grossen  Zahlen'  unangetastet,  die  nur
der  willkürlich  gewählte  Ausdruck  für  eine  unbestimmt  oder
unbestimmbar  grosse  Menge  sind:  wenn  Siegfried  versichert,
zwölf  Männer  wie  Dancwart  dürften  ihn  nicht  bestehen  Nib.
A  117,  4  oder  wenn  1004  (fusent  unde  viere)  Leute  in  den
Saal  stürmen  2014,  1.  Diese  Angaben  werden  uns  vornehmlich
beschäftigen,  denn  die  übliche  Anwendung  gewisser  Zahlen  trägt
einen,  ich  möchte  sagen,  fast  formelhaften  Charakter;  man
könnte  behaupten,  dass  sie  der  Mode  unterliegen:  in  der  Spielmannsdichtung ­
  des  zwölften  Jahrhunderts,  der  Orendelgruppe,
herrschen  Duodecimalzahlen  in  der  entschiedensten  Weise  vor,
namentlich  die  uralte  (man  erinnere  sich  des  meister  Trougemunt,
122
dem  sivei  und  sibenzec  lant  sint  kunt  MSD.  Nr.  XLVIII)  72=  ^
(E.  H.  Meyer  in  HZ.  12,  395);  in  der  jüngeren  Epik  der
Fahrenden,  der  Ortnitgruppe,  begegnet  dagegen  ganz  auffällig
das  Decimalsystem;  im  Ortnit  selbst  Str.  36  ff.  stellen  die  grossen
Vasallen  je  5000,  15.000,  20.000,  30.000  Mann;  die  dazwischen
liegende  classische  Volksepik  zeigt  ganz  andere  Verhältnisse,
man  könnte  sie  nicht  anders  bezeichnen  denn  als  Quaternalsystem;
 1  daneben  treten  aber  landschaftliche  Unterschiede  deutlich ­
  hervor:  der  österreichischen  Gruppe  ist  neben  gleichem
Wort-  und  Formelschatz  auch  der  Gebrauch  einiger  Zahlen
eigen,  so  86  Nib.  388,  1.  492,  1.  532,  1.  Kl.  1094.  Bit.  11544.
11665.  11854.  12419,  auch  Kudr.  39,  4  (wozu  Martin  diese
Stellen  gesammelt),  in  welch’  letzterem  Gedichte,  das  wohl
einem  Nachbarlande  angehört,  aber  auch  noch  andere  Ziffern
Vorkommen,  die  der  Nibelungengruppe  fremd  sind,  vor  allen
die  schwierige  26  (Stellen  RA.  S.  218).

1  Schon  im  Rother  aber  80,  80.000  V.  4583,  602,  743  neben  den  72  kiinigen
dz  wöstir  Bcibiloriye.
            
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