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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Zur  Geschichte  und  Kritik  der  deutschen  Heldensage  und  Yolksepik.

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Mythologie  zu  verweisen.  Als  ,weisse  Frau'  in  zahlreichen
Localsagen,  als  Stammmutter  des  arnulfingisehen  Hauses  (aux
grandes  pieds),  ein  mythischer  Typus  gleich  der  Uote-proava,
scheint  mir  Perahta  hinlänglich  beglaubigt:  ein  Name  der
mater  deorum  neben  vielen;  ob  ihr  und  wo  ein  Hruodperaht,
oder  ob  dieser  einer  Hruoda  (Myth. 3  267),  und  jener  ein  Berhter
entsprochen,  wie  er  in  der  Heldensage  ein  den  Dioskuren  oder
sieghaften  Werber  schirmender  Meister  gleich  Eckehart,  Hildebrand ­
  auftritt,  steht  nicht  fest,  ist  aber  nicht  von  vorneherein
abzulehnen:  ein  Ruodbert  ist  der  Vater  der  ,guoten  vrouwe';
dass  Bertha  als  Ahne  Rothers  galt  zu  einer  Zeit,  da  die  Namensform ­
  Hruodperaht,  die  zwischen  beiden  vermittelt,  längst  vergessen ­
  war,  ist  freilich  beinahe  zwingend;  auch  die  allerdings
nur  in  nordischer  Version  erhaltene  Gegnerschaft  der  Berchtunge
und  Eisunge  (Isunge)  scheint  mir  nicht  zufällig  oder  erfunden.
Im  Ganzen  wissen  wir  von  diesen  Gestalten,  die  man  in  hyperkritischem ­
  Eifei - ,  wie  ihn  die  unmethodischen  Verirrungen  der
modernen  Mythologen  erregt  haben,  aus  der  Göttergemeinschaft
wegweisen  will,  mehr  und  sicheres,  als  von  den  Grundlagen  des
Systems,  die  nur  in  spätester  Form  überliefert,  in  der  Gestalt,
die  sie  dem  gläubigen  Deutschen  am  Rhein  und  an  der  Donau
hatten,  unwiderbringlich  verloren  scheinen.

Excurs.
Ueber  Zahlen  und  Zahlenwertlie.
Das  Epos  ist  überaus  reich  an  Zahlenangaben;  es  hängt
dies  mit  seinem  Stoffe  zusammen;  so  wie  die  Sage  an  einem
bestimmten  Orte  oder  an  einer  bestimmten  Person  haftet,  wie
selbst  Nebenpersonen  benannt,  überall  concrete  Verhältnisse
im  Auge  gehalten  werden,  so  herrscht  auch  in  dieser  Beziehung
das  Streben  nach  Klarheit  und  Sicherheit.  Bestimmte  ziffermässige
  Angabe  ist  eine  Stütze  der  Phantasie,  sie  ermöglicht
oft  ein  Bild,  sie  liefert  ein  Maass  für  das  Unglaubliche:  wir
haben  aber  hiebei  wohl  zu  unterscheiden  zwischen  eigentlichen
und  grossen  Zahlen.  Eigentliche  Zahlen  nenne  ich  solche
ziffermässige  Angaben,  an  deren  Realität  der  Dichter  selbst
glaubte,  die  also  wieder  zur  Erhöhung  der  Glaubwürdigkeit
            
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