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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Zur  Gescnichte  und  Kritik  der  deutschen  Heldensage  und  Volksepik.

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in  der  Spukgestalt,  dem  Krampus,  die  zum  Nicolaus  und
Ruprecht  als  dritte  hinzutritt.  Schon  der  Umzug  der  drei,
wie  dass  der  Norden,  wenn  er  vom  Wandeln  der  Götter  auf
Erden  spricht,  die  alte  Trilogie  heranzieht,  rechtfertigt  dies
durchaus.  Der  Krampus  wird  dargestellt  als  ein  nackter,
schwarzer  Teufel  mit  lang  heraushangender  rother  Zunge  (die
leckende  Flamme?);  dass  er  Ruthe  1  und  Korb  führt,  schlimme
Kinder  zu  züchtigen  und  fortzutragen,  ist  gleichgiltig;  aber
nicht,  dass  er  gefesselt  erscheint  —  das  Rasseln  seiner  Kette
verkündet  das  Nahen  des  Umzuges  —;  das  könnte  vielmehr
eine  Erinnerung  sein  an  Lokis  Fesselung,  wodurch  man  den
Widerspruch,  der  in  diesem  Berichte  und  seiner  fortgesetzten
Wirksamkeit  lag,  lösen  mochte,  wie  es  ja  auch  vom  Prometheus
heisst,  dass  er  stets  ein  Stück  seiner  Kette,  an  die  ein  Steinchen
vom  Kaukasus  zur  Mahnung  geschmiedet  war,  mit  sich  führen
musste.
Im  Epos  nun  ist  der  dritte  neben  Sindolt-Hünolt,  dem
ältesten  Sonnen-  und  Meeresgotte  in  heroischer  Gestalt,  Rumolt
der  kuchenmeister  und  unbedenklich  wird  man  ihn  und  jenen
Krampus 2  auf  die  gleiche  mythische  Grundlage  zurückführen
dürfen.  So  fällt  mit  einem  Male  volles  Licht  auf  seine  Doppelrolle, ­
  wie  er  einerseits,  gleich  Loki,  als  der  vorschauende  Berather
  (Prometheus),  andrerseits  als  komische  Person,  gleich
dem  Teufel  in  vielen  Schwänken,  erscheint.
Sonach  können  wir  aus  nebensächlichen  Erweiterungen  der
Heldensage  und  aus  scheinbar  harmlosem,  naiv  geübtem  Brauche
des  Volkes  auf  das  Vorhandensein  eines  Gottes,  dessen  Name
und  Cultus  uns  fremd  bleiben,  mit  Nothwendigkeit  schliessen.
Jene  Tradition  und  Trilogie  sind  geradezu  vortaciteisch;  denn
die  genealogische  Sage  in  der  Germania  hat  die  Trilogie  schon
aus  drei  wohl  passenden  Göttern  gebildet  und  Hoenir  durch  Freyr
(von  dessen  Namen  in  Deutschland  wir  freilich  ebensowenig  wissen
als  von  dem  Lokis,  denn  Frö  und  Frouwa  sind  hypothetische

1  Die  Gerte  Ruprechts  erklärt  Mannhardt,  Wald-  und  Feldculte  I.  365
II.  187,  für  die  ,aueh  vom  Maikönig-  geführte  Lebensruthe 1 .
2  Der  Erklärungsversuch  Myth.  482  aus  Hieronymus  ist  unhaltbar;  eher
zum  Stamme  -kriman  rapere.  Ueber  Klas  Rtigebart,  Rtiklas,  die  Vereinigung ­
  des  Ruprecht  und  Nicolaus  vgl.  u.  a.  HZ.  20,  10  ff.
            
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