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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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Mutk

Konrad  von  Würzburg.  An  seinem  Werke  ist  noch  die  Naht
sichtbar,  die  beide  Theile  verbindet,  Vers  5135:  nü  merket  wie  daz
hüebe  sich,  daz  das  ist  das  Unglück  Dietrichs,  von  dem  schon
in  den  Schlussworten  des  ersten  Abschnittes  die  Rede  ist.
Konrad  selbst  behauptet  nach  einem  lateinischen  Gedichte  gearbeitet ­
  zu  haben,  v.  212  er  habe  die  äventiure  ,von  lat.ine  in
rime  gerihtet‘  und
v.  6490  hie  st  des  m  ceres  gnuoc  ge.saget,
wan  ez  nü  gar  ein  ende  hat.
von  Wirzeburc  ich  Kuonrät
hän  ez  von  latine
ze  tiuscher  Worte  schine
geleitet  und  gerihtet.
Es  ist  kein  Grund  vorhanden,  an  seiner  Angabe  zu
zweifeln,  somit  wird  seine  Quelle  ein  Gedicht  nach  der  Art
des  Leiches  ,de  Lantfrido  et  Cobbone'  MSD.  Nr.  XXIII  sein  ;
was  weiter  zurückliegt,  darüber  freilich  sind  wir  im  Unklaren.
Konrad  nennt  seine  Dichtung  ein  mcere;  an  volksthümliclien
unhöfischen  Ausdrücken  ist  kein  Mangel  (adj.  mcere  2656.  2829,
niete  2116.  3892,  vürhiiege  4818,  vgl.  v.  3170  u.  v.  a.);  uns
ist  sie  wichtig,  weil  sich  an  ihr  mit  seltener  Klarheit  die  allmälige,
  stufenweise  nach  normalen  unbewusst  angewandten,  also
Sprachgesetzen  gleich  wirkenden  Grundsätzen  fortschreitende
Entwicklung  einer  an  sich  unbedeutenden  Variante,  eines  Seitenastes ­
  vom  grossen  Stamme  der  Heldensage,  verfolgen  lässt;
wie  solche  wohl  allenthalben  umliefen,  samrat  und  sonders
auf  einige  wenige  Typen  zurückzuführen,  durch  Differenzirung,
Polyonymie,  locale  Einflüsse,  entstanden;  dann  aber  neben  den
grossen  Epen  durch  Homonymie,  Contamination,  literarische
Einflüsse  Untergängen  oder  höchstens,  wie  wir  es  an  einem
Beispiele  weiter  unten  zeigen  werden,  als  lose  angeknüpfte
Episoden  in  den  epischen  Cycleu  sich  verloren.
II.  Zur  Frage  um  Heimat  und  Alter  des  Laurin.
Es  soll  im  Folgenden  ein  Versuch  gemacht  werden,  eine
der  in  der  vorhergegangenen  Erörterung  ausgesprochenen,  deducirten
  Normen  als  Kriterium  für  die  Heimatsbestimmung
einer  Dichtung  wenigstens  mittelbar  auszunützen.
            
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