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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Zur  Geschichte  und  Kritik  der  deutschen  Heldensage  und  Yolksepik.

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über.  Also  auch  hier  keine  willkürliche  und  zufällige  Entlehnung-, ­
  sondern,  man  könnte  fast  sagen,  gesetzmässige  Verschiebung, ­
  jedenfalls  normale  Fortbildung  der  Sage.
Unter  solchen  Umständen  kann  auch  in  der  Episode  von
Hertnit  von  Eiuzen,  die  Konrad  gewiss  nur  beibehalten,  um  die
Turnierschilderung  einlegen  zu  können,  ein  Körnlein  mythischen
Gehaltes  sein,  doch  wäre  es  müssig,  dasselbe  aus  so  fragmentarischer ­
  Ueberlieferung  herausfinden  zu  wollen,  obwol  die
Aehnlichkeit  mit  der  Robinsage  auffällt.  Ueber  Hartnit  vgl.
HZ.  12,  350  ff.;  dass  Engelhard  zu  ihm  in  freundliche  Beziehungen ­
  gesetzt  wird,  erhöht  nur  die  Wahrscheinlichkeit,
dass  eine  deutsche  Sage  mit  dem  Träger  dieses  Namens  als
Helden  selbstständig  bestanden  und  den  Anlass  zu  der  uns  in
diesem  Epos  vorliegenden  Bearbeitung  gegeben  habe.
Dass  der  Freier  zur  Braut  in  einer  trügerischen  Gestalt
oder  unter  falschem  Namen  kommt,  ist  den  deutschen  Dioskurenmythen,
  wo  der  eine  Bruder  dem  andern,  oder  dem  einen  Bruder
der  Schwager,  der  dann  seine  Schwester  freit,  die  Braut  erkämpfen ­
  muss,  die  der  schwächere  nicht  zu  bezwingen  vermag,
wesentlich,  aber  ebenfalls  der  Athissage.  Hier  also  ist  ein  Punkt,
der  übereinstimmt;  ein  Homologon,  das  vermuthlich  den  Anstoss
bot  zur  Verschmelzung,  Contamination  einer  deutschen  und
ausländischen  Fabel.  Aber  unmittelbar  daran  und  darum  haften
schon  wieder  Verschiedenheiten.  Nur  die  Anwesenheit  Engelliards
  bei  Dietrichs  Gattin  könnte  mit  den  Motiven  in  der
echten  Athissage  verglichen  werden;  dass  die  Braut  erkämpft
werden  muss,  und  zwar  von  einem  andern  —  der  moralische
Grund  ist  nur  pragmatisirend  vorgeschützt,  weil  das  alte  physische ­
  Moment  vergessen  war  —,  davon  wissen  die  orientalischen ­
  Novellen  nichts.  Nicht  alle  auch  vom  keuschen  Beilager,
das  hier  geminirt  ist,  also  zweimal  vorkommt:  nach  deutscher
Version,  wonach  es  der  Kämpfer  für  den  eigentlichen  Bewerber
hält,  nach  exotischer,  wonach  der  treue  Freund  die  ihm  zur
Verfügung  gestellte  Gattin  des  andern  schont.
Aus  alledem  ergibt  sich,  dass  eine  deutsche  Sage,  die
Erzählung  von  der  Werbung  Dietrichs  für  Engelhard  um  Engeltrut,
  die  auf  normalem  Wege  der  Sagenbildung  ihre  letzte
Gestalt  gewonnen  hatte,  mit  einer  Variante  der  Freundschaftssage ­
  zu  einer  einheitlichen  Fabel  contaminirt  wurde.  Nicht  von
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