Zur Geschichte und Kritik der deutschen Heldensage und Yolksepik.
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über. Also auch hier keine willkürliche und zufällige Entlehnung-,
sondern, man könnte fast sagen, gesetzmässige Verschiebung,
jedenfalls normale Fortbildung der Sage.
Unter solchen Umständen kann auch in der Episode von
Hertnit von Eiuzen, die Konrad gewiss nur beibehalten, um die
Turnierschilderung einlegen zu können, ein Körnlein mythischen
Gehaltes sein, doch wäre es müssig, dasselbe aus so fragmentarischer
Ueberlieferung herausfinden zu wollen, obwol die
Aehnlichkeit mit der Robinsage auffällt. Ueber Hartnit vgl.
HZ. 12, 350 ff.; dass Engelhard zu ihm in freundliche Beziehungen
gesetzt wird, erhöht nur die Wahrscheinlichkeit,
dass eine deutsche Sage mit dem Träger dieses Namens als
Helden selbstständig bestanden und den Anlass zu der uns in
diesem Epos vorliegenden Bearbeitung gegeben habe.
Dass der Freier zur Braut in einer trügerischen Gestalt
oder unter falschem Namen kommt, ist den deutschen Dioskurenmythen,
wo der eine Bruder dem andern, oder dem einen Bruder
der Schwager, der dann seine Schwester freit, die Braut erkämpfen
muss, die der schwächere nicht zu bezwingen vermag,
wesentlich, aber ebenfalls der Athissage. Hier also ist ein Punkt,
der übereinstimmt; ein Homologon, das vermuthlich den Anstoss
bot zur Verschmelzung, Contamination einer deutschen und
ausländischen Fabel. Aber unmittelbar daran und darum haften
schon wieder Verschiedenheiten. Nur die Anwesenheit Engelliards
bei Dietrichs Gattin könnte mit den Motiven in der
echten Athissage verglichen werden; dass die Braut erkämpft
werden muss, und zwar von einem andern — der moralische
Grund ist nur pragmatisirend vorgeschützt, weil das alte physische
Moment vergessen war —, davon wissen die orientalischen
Novellen nichts. Nicht alle auch vom keuschen Beilager,
das hier geminirt ist, also zweimal vorkommt: nach deutscher
Version, wonach es der Kämpfer für den eigentlichen Bewerber
hält, nach exotischer, wonach der treue Freund die ihm zur
Verfügung gestellte Gattin des andern schont.
Aus alledem ergibt sich, dass eine deutsche Sage, die
Erzählung von der Werbung Dietrichs für Engelhard um Engeltrut,
die auf normalem Wege der Sagenbildung ihre letzte
Gestalt gewonnen hatte, mit einer Variante der Freundschaftssage
zu einer einheitlichen Fabel contaminirt wurde. Nicht von
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