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Vater- und Bruderkampf und Hort gleich typische Bedeutung
haben, so werden wir auch in unserem Gedichte, wie in so
vielen andren, dem Rother, der Kudrun, eine Variation dieser
einfachen Fabel erblicken. In deutschen Gedichten heisst nun
häufig der erlösende Held Dietrich: nicht nur der von Bern
als Riesenbekämpfer und Jungfrauenbefreier oder im Laurin,
sondern auch Rother legt sich, da er unter fremdem Namen
kommen muss, diesen bei; im austrasischen Cyclus stehen
Wolfdietrich und Hugdietrich. Die Namen sind also so streng
sagengemäss und so wenig willkürlich gewählt und vertheilt,
dass angenommen werden muss, dass, wenn nicht eine deutsche
Sage ausgedehntere Benützung gefunden hat, ihr wenigstens
die Namen entlehnt sind.
Im ,Mythus vom Markgrafen Rüdeger* habe ich auf ein
Götterverhältniss hingewiesen, das ich als Utraquismus bezeichnet
habe, nämlich die Doppelseitigkeit dämonischer Wesen,
wonach dieselbe Gestalt bald als gütige, bald als zürnende
Macht erscheint, wenn sich nicht gemäss der dualistischen
Tendenz aller Mythen ein selbstständiges Gegenbild geformt hat.
Hier spielt nun die Rolle des verweigernden Vaters, der
zur Herausgabe der Tochter gezwungen wird — denn seine
Absicht bei Veranstaltung des Zweikampfes ist den Plänen der
Liebenden nicht günstig — der milde Frute, der in Deutschland
sonst nur ein Ideal der höfischen Milde gleich Rüdeger,
in der dänischen Sage weit bedeutender, eine Hypostase Freyrs
sonst allenthalben als eine liebenswürdige, freundliche Persönlichkeit
auftritt. Auch in unserem Gedichte verläugnet er seinen
Charakter nicht: seine Handlungsweise ist überall milder, als
man erwarten sollte; nur an einem ungewohnten Platz ist er
verschoben; aber diese Verschiebung als Folge des Utraquismus
ist gleichfalls ein bei der Ausbildung der deutschen
Sagen gewöhnlicher Process. 1 Ebenso erscheint Osangtrix, der
dem Wilcinus gegenüber, Träger der nordischen Form der
Rothersage, als Bewerber auftritt, dem Atli gegenüber als
verweigernder Vater; ebenso Hetele, der Hilde von Hagen
ertrotzen musste, als verweigernder Vater dem Hartmuot gegen-'
Auch der Grund, weshalb Frute die Hand seiner Tochter verweigert,
offenbar die Unebenbürtigkeit — E. ist wol freier, aber (V. 223. 284)
geringer Leute Kind —, ist ein echt deutsches Sagenmotiv.