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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Zur  Geschichte  und  Kritik  der  deutschen  Heldensage  und  Volksepik.

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Gunnar  -  Ilijgni,  Gelfrät  -  Else,  Wolfrät  -  Astolt).  Haupt’s  Bemerkung ­
  ist  also  nicht  beweisend,  am  wenigsten  für  ihn.
Aber  wie  es  zahlreiche  Götterpaare  gibt,  feststehende  und
postulirte  (Fiörgyn  -  Fiorgynn,  Freyr  -  Freya,  Niördr  -  Nerthus
und  Andere),  so  weichen  auch  in  der  Sage  die  Namen  mitunter ­
  in  der  Weise  aus,  dass  der  Name  der  Braut  zu  dem
des  Bewerbers  stimmt.  Die  Jungfrauen  in  der  Nibelungensage
führen  Doppelnamen,  was  Müllenhoff  HZ.  10,  155  geistvoll
erklärt  hat;  Güdrün  gehört  zu  ihren  Brüdern;  der  Name
Kriemhilt,  aus  dem  durch  Differenzirung  ihre  Mutter  in  der
nordischen  Ueberlieferung  wird  (man  darf  nicht  sagen,  Ute
heisst  im  Norden  Grimhild,  denn  das  sind  zwei  verschiedene
Persönlichkeiten,  jene  ein  der  Handlung  ferne  stehender  allgemein ­
  mythischer  Typus,  diese  ein  bestimmend  eingreifender,
eigenthümlich  gezeichneter  Charakter),  bindet  sie  an  Prünhilt,
die  wieder  als  Sigur&mfa,  Sigurtriba  zu  Sigurdr  gehört;  so
alliteriren  Erica  und  Atli,  Hilde  und  Hetele,  Hartmuot  und
Hildeburc,  Älphärt  und  Amelgart  (ob  diese  echt  sagenhaft  ist,
ist  gleichgiltig:  es  handelt  sich  um  das  Fort-  und  Umbilden
der  Namen  im  Epos);  Sigemunds  Gattin,  Siegfrieds  Mutter
heisst,  obwohl  natürlich  andrem  Geschlechte  (nach  DU.  Ortnits)
entstammt,  mit  dem  Geschlechte  des  Gatten  Sigelint;  Ludwigs
Tochter,  Hartmuts  Schwester,  führt  in  einem  Gedichte,  wo  eine
ganze  Reihe  alliterirender  Namen  vorkommt,  einen  Namen,  der
sie  unmittelbar  an  ihren  späteren  Gatten  bindet,  dessen  Geschlechte ­
  sie  doch  nicht  nur  fremd,  sondern  feindlich  gegenübersteht, ­
  Ortrün  an  Ortivin.  Ganz  analog  zu  Sigurdr  -  Sigurdrif  a ;
Ortwin-  Ortrün  steht  nun  Engelhart  -  Engeltrüt:  die  Ausweichung ­
  des  Namens  der  Braut,  so  dass  er  durch  Anomination ­
  an  den  des  Freiers  gebunden  ist,  aus  der  etwaigen
Namensreihe  ihres  Geschlechtes  und  die  des  Namens  des  einen
zweier  Brüder,  der  die  Braut  heimführt,  so  dass  beide  lautlich
gar  nicht  mehr  gebunden  bleiben,  ist  also  ein  normaler  Vorgang ­
  bei  der  Ausbildung  epischer  Erzählungen.
Aber  gegen  Haupt  lässt  sich  noch  mehr  Vorbringen:  auch
Dietrich  scheint  mir  kein  willkürlich  gewählter  Name.  Erinnern
wir  uns,  dass  die  Sage  vom  Vater,  der  die  Tochter  verweigert,
vom  Freier,  der  sie  aus  Banden  erlöst,  einer  der  allerhäufigsten
Typen  ist,  neben  dem  nur  der  Drachenkampf,  Dioskurenmythus,
Sitzungsber.  d.  pbil.-hist.  CI.  XCI.  Bd.  II.  Hft.  16
            
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