Zur Geschichte und Kritik der deutschen Heldensage und Volksepik.
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Gunnar - Ilijgni, Gelfrät - Else, Wolfrät - Astolt). Haupt’s Bemerkung
ist also nicht beweisend, am wenigsten für ihn.
Aber wie es zahlreiche Götterpaare gibt, feststehende und
postulirte (Fiörgyn - Fiorgynn, Freyr - Freya, Niördr - Nerthus
und Andere), so weichen auch in der Sage die Namen mitunter
in der Weise aus, dass der Name der Braut zu dem
des Bewerbers stimmt. Die Jungfrauen in der Nibelungensage
führen Doppelnamen, was Müllenhoff HZ. 10, 155 geistvoll
erklärt hat; Güdrün gehört zu ihren Brüdern; der Name
Kriemhilt, aus dem durch Differenzirung ihre Mutter in der
nordischen Ueberlieferung wird (man darf nicht sagen, Ute
heisst im Norden Grimhild, denn das sind zwei verschiedene
Persönlichkeiten, jene ein der Handlung ferne stehender allgemein
mythischer Typus, diese ein bestimmend eingreifender,
eigenthümlich gezeichneter Charakter), bindet sie an Prünhilt,
die wieder als Sigur&mfa, Sigurtriba zu Sigurdr gehört; so
alliteriren Erica und Atli, Hilde und Hetele, Hartmuot und
Hildeburc, Älphärt und Amelgart (ob diese echt sagenhaft ist,
ist gleichgiltig: es handelt sich um das Fort- und Umbilden
der Namen im Epos); Sigemunds Gattin, Siegfrieds Mutter
heisst, obwohl natürlich andrem Geschlechte (nach DU. Ortnits)
entstammt, mit dem Geschlechte des Gatten Sigelint; Ludwigs
Tochter, Hartmuts Schwester, führt in einem Gedichte, wo eine
ganze Reihe alliterirender Namen vorkommt, einen Namen, der
sie unmittelbar an ihren späteren Gatten bindet, dessen Geschlechte
sie doch nicht nur fremd, sondern feindlich gegenübersteht,
Ortrün an Ortivin. Ganz analog zu Sigurdr - Sigurdrif a ;
Ortwin- Ortrün steht nun Engelhart - Engeltrüt: die Ausweichung
des Namens der Braut, so dass er durch Anomination
an den des Freiers gebunden ist, aus der etwaigen
Namensreihe ihres Geschlechtes und die des Namens des einen
zweier Brüder, der die Braut heimführt, so dass beide lautlich
gar nicht mehr gebunden bleiben, ist also ein normaler Vorgang
bei der Ausbildung epischer Erzählungen.
Aber gegen Haupt lässt sich noch mehr Vorbringen: auch
Dietrich scheint mir kein willkürlich gewählter Name. Erinnern
wir uns, dass die Sage vom Vater, der die Tochter verweigert,
vom Freier, der sie aus Banden erlöst, einer der allerhäufigsten
Typen ist, neben dem nur der Drachenkampf, Dioskurenmythus,
Sitzungsber. d. pbil.-hist. CI. XCI. Bd. II. Hft. 16