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Muth.
Sage, deren ursprüngliclies Thema die Treue ist, im Sinne der
Grossmuth sich ausbildet, so auf deutschem Boden, nach der
Analogie einheimischer Sagen sich gestaltend, im Sinne der
Keuschheit umgewandelt: d. h. der Orient stellt die Grossmuth
vor die Treue in den Vordergrund, die deutsche Form erprobt
die Treue durch das keusche Beilager.
Läge der erste Theil allein vor, die Amelius- oder Athissage
wäre kaum zu erkennen: das Dazwischentreten eines
Dritten, das keusche Beilager, der Zweikampf sind ihr fremd;
Scherer hätte daher, da dessenungeachtet der zweite Theil die
Abhängigkeit von jener grossen Sippe unzweifelhaft macht,
unser Gedicht neben seine beiden Gruppen A und B als C
stellen müssen.
Stellen wir nun das eigenthümlich Deutsche in der Erzählung
fest.
Haupt a. a. 0. S. X sagt: ,Die deutschen Namen Engelhard
und Dietrich sind offenbar nicht ursprünglich in dieser
Sage, deren Kern die Treue der beiden Freunde bildet, die in
allem gleich auch alliterirende Namen Amicus und Amelius
führen, wie es die Sage liebt. In der Aehnlichkeit der Namen
Engelhard und Engeltraut und seines Freundes verräth sicli
willkürliche, dem Sinne der Sage ungemässe Erfindung, mag
sie Konrads lateinischer Quelle oder ihm selbst zuzuschreiben
sein'. Nur der erste Satz ist richtig: die Namen sind in dieser
Sage nicht ursprünglich, aber deswegen durchaus nicht willkürlich
erfunden.
In Ilaupt’s Aufstellung liegt ein Widerspruch: Namen
durch Alliteration, Anomination, Homoteleuton zu binden, ist
deutsche Art und allerdings diese Ffeundschaftssage verschiedentlich
auf so benannte Paare übertragen: Brunnenhold und
Brunnenstark, Wasserpeter und Wasserpaul (Simrock, Myth.
2, S. 326); deutsche Brüderpaare kommen in allen Formen
vor, doppelt gebunden (Liudeger - Liudegast; Herebrant - Hildtebrant-Hadubrant)
oder einfach (Heng ist-Hör sa, Dietrich-Diether;
Sintram-Baitram, Schilbunc-Nibelunc; Wolfwin- Wolfbrant, Wolfliart-Wichait-Alphart),
aber auch viele, echte Dioskuren sogar,
ohne irgend welche Namensähnlichkeit (Fritele - Imbrecke,