Mutli. Zur Geschichte und Kritik der deutschen Heldensage und Volksepik.
Untersuchungen und Excurse zur Geschichte und
Kritik der deutschen Heldensage und Volksepik.
Von
Richard von Mu.th.
I. Die Freundschaftssage im Engelhard Konrads
von Würzburg.
Es soll im Folgenden untersucht werden, ob der vielbehandelte
Stoff, der auch dem Engelhard Konrads von Würzburg
zu Grunde liegt, auf einheimischer oder ausländischer
lleberlieferung fusse, oder wenn etwa auf beiden, nach welchen
Gesichtspunkten er, bewusst oder unbewusst, sagengemäss oder
willkürlich überliefert sei. Es wird sich herausstellen, dass
das Thema in nichts weniger als origineller Weise oder Manier,
in engem Anschlüsse an eine Quelle behandelt ist nach Grundsätzen,
die auch vielfach bei der Entstehung anderer, insbesondere
volkstümlicher Gedichte zu Tage treten, und die
wir von Fall zu Fall entwickeln und durch ein zwingendes
Analogon schematisch belegen. So ist es möglich, nicht nur
einen Einblick in das Verfahren mittelalterlicher Dichter zu
gewinnen, was, da wir hierüber gut genug unterrichtet sind,
kaum der Mühe lohnen würde, sondern auch, woran uns vor
Allem gelegen ist, methodisch eine Summe von Fällen gleichartiger
Entwicklung festzustellen, in denen wir zwar nicht eine
bindende Norm, Gesetze der Sagenbildung, aber doch
die gewöhnliche Art und Weise der genetischen Entwicklung
epischer Sagenstoffe erblicken dürfen.
Für unseren Zweck ist es jedoch durchaus notlnvendig,
den Inhalt des kleinen Epos in Kürze zu reproduciren. Die
Geschichte zerfällt in zwei scharf geschiedene Abschnitte —
ich will vorgreifend bemerken: verschiedener Genesis; doch