Ueber den fünffüssigen Iambus vor Lessing’s Nathan.
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sechsfüssige Verse sind beigemischt. 1 Ich will zwei Proben
geben. Der Beginn des ersten Aufzuges S. 315 lautet:
Die ganze Nacht hat mich der Schlaf geflohn —
Bei meiner Ankunft war mein Herz zu sehr
Von Freud und Traurigkeit bewegt —
Eudoxien, die meine Seele liebt,
Und deren reizend Bild mir stets zur Schlacht gefolgt,
Und meinen Muth zu kühnen Thaten angeflammt,
Die find ich hier! allein ihr schöner Mund
Giebt mir den schrecklichen Befehl
Sie unbemerkt mir unbekannt zu sehn!
Oder aus dem Anfänge des zweiten Aufzuges S. 338:
Noch lieht er mich! — allein es ist umsonst —
Tiber — auf ewig trennt uns das Geschick —
Mein Vater liegt von Ketten wund gedrückt
Dort in des Kerkers Finsternis — und dich
Erwart’t vielleicht ein Thron! — Bald hat der Schmerz
Des Lebens Kraft verzehrt, alsdenn soll unbekannt
Hier meine Asche ruhn — Wo bist du hin,
Du süsser Traum, da mir der Liebe Zaubermacht
Das grösste Glück versprach? — Er ist entfiolm
Und kömmt nicht mehr zurück! — heut seh ich noch
Zum letztenmal den meine Seele liebt —
Einige Dramen, die ich nicht kenne, seien hier erwähnt.
Das einactige Trauerspiel von J. V. v. Speclcner Darius
München 1775 (Goedeke 1076) soll nach dem deutschen
Merkur (1775 II, 275) in reimlosen Iamben geschrieben sein.
J. Fr. Löwen, der unter seinen Lehrgedichten einige in fünffüssigen
gereimten Iamben gedichtet hatte (Schriften 1765 bis
1766 1, 76—101; 2, 102—106) soll nach der Chronologie des
deutschen Theaters S. 276 Voltaire’s Mahomet und die
Scythen 1768 in Iamben übersetzt haben; nach Joerdens
3, 424 hatte er vorher schon die Semiramis in Versen übersetzt,
und diese soll auch im Druck erschienen sein. Möglicher
1 Die Recension in Schirach’s Magazin der deutschen Critik I 1, 199—206
sagt über das Stück: ,Wir haben bemerkt, dass es in ordentlichen Versen,
die nur ohne Reime und wie Prosa geschrieben sind, abgefasset ist,
welches ein affectirtes Wesen und eine unangenehme Wirkung äussert 1 .
Auch in einem andern Drama findet der Recensent dieser Zeitschrift
I, 2 S. 277 eingestreute Iamben, in dem Trauerspiel Theutomal, Hermans
und Thusneldens Sohn von W. J. E. G. Casparson. Cassel 1771
(Goedeke 641).