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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

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Sauer.

des  Herrn  Dr.  Suphan  einige  ungedruckte  Uebersetzüngs-Fragmente
  aus  Herder’s  Nachlass  vor,  und  zwar  der  in  den
Volksliedern  1,  296  f.  gedruckte  Monolog  Othellos  vor  der
Ermordung  Desdemonas  in  abweichender  Fassung,  und  ,Macbeth’s
schreckliche  Dolchscene'  (2.  Act,  2.  Scene).  In  einem  Studienhefte ­
  der  Königsberger  Zeit  finden  sich  auch  einige  Scenen
eines  antiken  Drama  Philokles  in  dieser  Versart  ausgearbeitet, 1
sind  aber  ungedruckt  geblieben;  dagegen  ist  das  Singspiel  Brutus,
wie  ich  ebenfalls  aus  einer  gütigen  Mittheilung  Dr.  Suphan’s
entnehme,  in  seinem  ersten  Drucke  für  Freunde  1774  ganz  in
freien  Rhythmen  abgefasst;  erst  in  der  späteren,  1806  gedruckten
Ueberarbeitung  sind  einzelne  Jambische  Verse  beigemischt,  sowie
in  den  damals  entstandenen,  aber  1806  gedruckten  Scenen  des
Philoktet;  beide  diese  Dramen  liegen  also  ausserhalb  unserer
Betrachtung.
Die  oben  im  Einzelnen  angeführten  Uebersetzungsfragmente,
  über  350  Verse,  geben  uns  nun  ein  Bild  des  Herd  ersehen ­
  Iambus,  das  seinen  in  den  Fragmenten  ausgesprochenen
Forderungen  vollständig  entspricht.  Er  lässt  stumpfe  und  klingende ­
  Verse  ab  wechseln  und  gebraucht  freie  Caesur;  um  ,sich
nicht  beständig  in  lamben  zu  jagen',  mischt  er  Anapäste  und
Trochäen  ein;  Anapäste  in  der  Mitte  z.  B.  Volkslieder  1,  147
,sein?  in  der  Luft';  149  ,in  der  Natur';  297  ,und  ich  will';
305  ,Ophelia  liebe';  Anapäste  im  Verseingange  z.  B.  Volkslieder ­
  1,  293  ,Aber  ganz';  ibid.  ,Wie  die  arme';  Adrastea  2,
322  ,In  die  Luft';  324  ,Er  ist  sonderbar';  Verse  mit  trochäischem
Rhythmus  Adrastea  2,  321  ,Seid  ihr  Blendwerk,  oder  seid  ihr
wirklich';  322  ,Oder  warum  nehmt  ihr  euren  Weg  auf  dieser';
Verse  mit  trochäischem  Eingänge:  Volkslieder  1,  304  ,Aber‘;
Adrastea  2,  321  ,edlen  Gefährten';  322  ,König';  323  ,Vater';
324  ,Wahrheiten';  326  ,Über';  ibid.  ,Euer‘;  328  ,Steiget';  329
,Unter';  Manuser.  ,würden'.  Sogar  Dactylus  im  Anfänge  findet
sich:  Volkslieder  1,  299  ,Taumelnden  Zeiten'.
Da  eben  nur  Bruchstücke  vorliegen,  die  oft  mitten  im
Verse  abbrechen,  so  kann  man  die  Länge  seiner  Verse  nicht
genau  bestimmen:  ersichtlich  ist,  dass  er  auch  in  zusammenhängender ­
  Rede  zwei-,  drei-  und  vierfüssige  einstreut.

1  Haym,  Herder  1,  107  Anni.
            
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