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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

Ueber  den  funffüssigen  Iambus  vor  Lessing’s  Nathan

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fürWeisse  hat  er  nur  Worte  des  Tadels.  Er  vertlieidigt  dann
den  Iambus  gegenüber  dem  Alexandriner  im  Trauerspiel;  ,und
wollen  wir  nicht  lieber  die  vorgeschlagene  Iamben  wählen 4 ,
fährt  er  fort,  ,die  weit  mehr  Stärke,  Fülle  und  Abwechselung
in  sich  schliessen,  sich  mehrern  Denk-  und  Schreibarten  anschmiegen, ­
  und  ein  hohes  Ziel  der  Deklamation  werden
können?  Nur  freilich  werden  sich  dieselbe,  je  mehr  sie  sich
der  Materie  anschmiegen,  je  mehr  auch  freie  Sprünge  und
Cadenzen  erlauben:  nicht  sich  beständig-  in  Iamben  jagen:  nicht
in  einerlei  Caesuren  verfolgen:  nicht  in  einerlei  Ausgängen  auf
die  Hacken  treten:  nicht  werden  sie  sich  in  das  theatralische
Silbenmass  einkerkern,  das  Kamler  in  seinem  Batteux
vorzeichnet,  um  zu  hinken,  wenn  die  Region  da  ist,  hinken
zu  sollen 4 . 1
Herder  hat  sich  auch  praktisch  in  dieser  von  ihm  so
warm  empfohlenen  Versart  versucht,  und  zwar  zunächst  in  einer
Reihe  von  Uebersetzungen  aus  Shakespeare,  welche  die  formlosen ­
  Wieland’sche  verdrängen  sollten,  in  den  Jahren  1769
und  1770.  Bruchstücke  derselben  veröffentlichte  er  als  Einleitung
zu  einzelnen  Liedern  aus  Shakespeare  im  ersten  Theile  der
Volkslieder  (Leipzig  1778)  und  zwar  S.  146—151  ,Einige
Zauberlieder.  Aus  Shakespeare’s  Sturm 4 ;  291—297  ,Liedchen
der  Desdemona 4 ;  298—300  ,Süsser  Tod 4  aus  Was  ihr  wollt;
301—308  Opheliens  verwirrter  Gesang  um  ihren  erschlagenen
Vater;  dann  stehen  als  Epilog  dieses  ersten  Bandes  unter  der
Uebersehrift  Shakespeare  zwei  Fragmente  aus  dem  Kaufmann
von  Venedig.  Er  sagt  von  diesen  Liedern  im  Vorberichte  des
zweiten  Theiles  (Leipzig  1779)  28  f.:  ,Sie  lagen  vor  zehn  und
mehr  Jahren  übersetzt  da,  ohne  dass  ich  einem  bessern  Uebersetzer
  je  damit  hätte  zuvor  kommen  oder  nachbuhlen  wollen 4 .
Aus  derselben  Zeit  stammen  auch  jene  Bruchstücke,  welche
er  im  zweiten  Bande  der  Adraestea  1801  veröffentlichte,  ganz
wenige  Verse  aus  Hamlet  und  umfangreichere  Scenen  aus
Macbeth;  sechs  Verse  aus  dem  Sommernachtstraum  sind  in
den  Anmerkungen  des  ersten  Bandes  der  neuen  Herder-Ausgabe
 2  gedruckt  und  endlich  liegen  mir  durch  die  Güte

1  Herder’s  Werke  (Suphan)  2,  38.
2  Werke  (Suphan)  1,  545.
            
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