Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

688

Saue  r.

sammelte;  im  April  1776  sendet  nun  Bürger  neue  Proben  an
Wieland,  welche  dieser,  nachdem  Goethe  hie  und  da  nach
Bürger’s  Verlangen  eine  Kleinigkeit  geändert  hatte,  in  das
Maiheft  des  deutschen  Merkurs  S.  146—168  aufnahm.
Es  sind  680  Verse  der  sechsten  Rhapsodie;  die  ersten
92  Verse  können  mit  der  Uebersetzung  desselben  Gesanges  in
der  Klotz’schen  Bibliothek  verglichen  werden,  zeigen  aber
so  starke  Veränderung,  dass  kaum  eine  derselben  auf  rein  metrische ­
  Gründe  sich  zurückführen  lässt;  V.  20,  83,  85  sind  wol
die  Hiate  weggeschafft  und  39  der  vierfüssige  Vers  nicht  mehr
vorhanden;  dagegen  ist  hier  Vors  29  ein  vierfüssiger,  156
sechsftissig  und  sechs  Hiate  (118,  332,  438,  467,  481,  503)  linden
sich  in  den  übrigen  Versen.  323  ist  zu  lesen  ,behau’nem'  wie
326  statt  ,behauenem'.  Sonst  ist  kein  Unterschied  in  der  Behandlung ­
  des  Verses  gegen  die  früheren  Bruchstücke.
Bürger’s  Perioden  gehen  nicht  über  die  Länge  von  18
Zeilen  hinaus  und  sind  in  dieser  Hinsicht  mit  denen  Wieland’s
zu  vergleichen.  18  Zeilen:  V.  117—134;  16:  353—368;  15:
27—41;  14:  581—594;  13:  243—255;  12:  375—386,  653—664;
11:  106—116,  175—185,  333—343,  527-537,  546—556;  in
den  im  deutschen  Museum  veröffentlichten  Versen  aber  sind
die  Perioden  kürzer;  die  längsten  zählen  hier  nur  9  Zeilen:
V.  44—52;  150—158;  229—237;  239-247;  249—257.
Wieland  hatte  Bürgern  von  einem  Gespräche  mit
Goethe  Nachricht  gegeben,  in  welchem  er  den  Iambus,  ,das
echte,  alte,  natürliche,  heroische  Metrum  unserer  Sprache'  vertheidigte,
  während  Goethe  den  Hexameter  für  die  Homerübersetzung
  vertrat  und  Wieland  bat  Bürger,  seine  Gründe
für  den  Iambus  in  einem  Sendschreiben  an  ihn  oder  Goethe
zu  veröffentlichen.  Dasselbe  erschien  auch  wirklich  im  Octoberheft
  des  deutschen  Merkur  1776  (S.  46—67)  unter  dem  Titel:
,Bürger  an  einen  Freund  über  seine  teutsche  Ilias',  worin  er
hauptsächlich  darlegt,  wie  die  Abwechselung  des  Verses  durch
die  Verwendung  von  kurzen  und  weniger  kurzen,  von  langen
und  längeren  Silben  erreicht  wird  und  worin  er  auch  einige
Partien  seiner  Uebersetzung  nach  dieser  Abwechselung  hin
durchnimmt.  Im  Anschlüsse  daran  theilt  er  79  Verse  aus  dem
Anfang  des  dritten  Buches  mit,  und  obgleich  er  hervorhebt,
man  dürfe  seine  Verse  nicht  ängstlich  scandieren,  sondern  man
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.