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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

Ueber  den  fiinffüssigen  Iambus  vor  Lessing’s  Nathan.

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Im  Jahre  1767  gab  Zachariae  ein  Gedicht  Olint  und
Sophronia  in  drei  Gesängen  1  von  einem  Studenten  am  Braunschweiger ­
  Carolinum,  Gottlob  Sebastian  von  Lucke,  heraus,
der  im  Jahre  1762  siebzehnjährig  gestorben  war.  In  einem  im
Vorberichte  abgedruckten  Briefe  an  Zachariae  führt  Lucke
die  Gründe  an,  warum  er  diese  Versart  dem  Hexameter  vorzog
und  setzt  dann  hinzu:  ,Um  nicht  mit  dem  zu  öftern  Gleichlaut
des  Schlussfalles  zu  ermüden,  habe  ich  den  Verstand  nicht
gern  mit  dem  Verse  geendigt.  Ich  glaubte  dadurch  die  Harmonie ­
  weniger  zu  stören,  als  wenn  ich  eilfsilbige  untergemengt
hätte*.
Das  Gedicht  —-  570  Verse  —  zeigt  also  lauter  stumpfe
fünffüssige  Iamben,  die  in  Bezug  auf  Länge  und  Rhythmus
vollkommen  correct  sind;  Hiatus  habe  ich  nur  an  einer
Stelle  gefunden:  S.  16  ,ins  wilde  Antlitz*;  viele  Synkopen
und  Apokopen:  17  ,droh’nde‘;  ,eh’rnen‘;  28  ,Märt’rerkrone*;
32  ,sprüh’nde*;  5  ,Ränk’*;  36  ,Mus’*;  die  richtige  Betonung
wird  manchmal  verletzt:  10  ,Der  Wanderer,  wenn  auf  einmal
sein  Fuss*;  Enjambement  ist  ziemlich  häufig;  Trennung  des
Artikels,  des  Adjectivs  und  der  Präposition  vom  Substantiv
ist  der  stärkste  Fall,  der  sich  findet*:  7  ,auf  den  folgenden
|  Grausamen  Tag*;  8  ,im  melancholischen  |  Gebüsch;  17  ,zur
Zeit  des  nahenden  j  Gewitters*;  19  ,den  göttlichen  |  Gedanken*;
34  ,gegen  unsere  |  Gesetze*.  Im  Anhänge  stehen  zwei  Gedichte
An  meine  Heimath  49—50  und  Am  15.  Julius  1761  (53—55),
welche  ebenfalls  in  reimlosen  iambischen  Fünffüsslern  abgefasst ­
  sind.
Die  grösste  Bedeutung  gewann  Zachariae  selbst  durch
sein  Heldengedicht  Cortes,  dessen  erster  und  einziger  Band
1766  erschien.  In  dem  Vorberichte  dazu  sagt  er  (S.  18):  ,Die
Versart  ist  unter  uns  bereits  so  bekannt,  dass  er  sie  dem  Hexameter ­
  vorgezogen,  zu  dem  sich  der  allergrösste  Theil  unsrer
Nation  noch  nicht  gewöhnen  will.  Er  hat  in  diesem  iambischen
Silbenmasse  durch  die  Veränderung  der  Abschnitte  den  Wohlklang ­
  zu  erreichen  gesucht,  den  man  mit  Recht  in  dem  Miltonschen
  Vers  bewundert.  Er  hat  sich  deshalb  zur  Regel  gemacht,

Nebst  einem  Anhänge  einiger  andern  Gedichte.  Braunsehweig.
            
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