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Sauer.
sechsten Decenniums den fünffüssigen Iambus zu verwenden
begann; ich habe den Vers in den drei Fragmenten Kleonnis,
Fatime und Das Horoscop mit den im Nathan genau verglichen,
habe den Vers mit stumpfem Ausgang als charakteristisch für
Lessing nachgewiesen und den Kleonnis aus äusseren und
inneren Gründen in die Zeit von 1756—1758 gesetzt.
Trotz seinem grossen Interesse an dieser Versart dauert
es noch fast fünfundzwanzig Jahre, bis er ein Werk in fünffüssigen
Jamben in die Welt sendet, und seine Versuche blieben
unvollendet im Pulte. Aber er hatte dazu seine guten Gründe.
Im 40. Litteraturbriefe (17. Mai 1759) meint er, 1 ,unmerklich'
müsse sich das Ohr an eine neue Versart gewöhnen, ,allein ein
neues Metrum aus Gründen anpreisen wollen und von dem
möglichen Gebrauche desselben Muster geben, die ausser diesem
neuen Metro selbst nichts vorzügliches haben, das heisst plump
zu Werke gehen'. Weil nun kein bedeutendes nationales Werk
wie Milton’s Epos vorhanden war, auf welches er im Beginn
dieses Briefes hinwies und er selbst bald wieder von anderen
Interessen eingenommen war, so suchte er seine Freunde für
dieses Versmass zu begeistern, und wirklich gelang es diesen,
einige Dichtungen zu schaffen, deren innere Schönheit, nach
Lessing’s Wunsch, die ungewohnte Versart so lange vertraten,
,bis sich das Ohr unmerklich an sie gewöhnt und in dem, was es
anfangs nur duldete, endlich auch Wohlklang entdeckt' hatte.
Im Drama folgten Brawe, Gleim und Weisse Lessing’s
Anregung, und in kleineren erzählenden Dichtungen wie in
der Epopöe suchte Kleist Lessing’s Versmass zu verwenden.
Brawe’s Vers in seinem 1757—1758 entstandenen und 1768
gedruckten Trauerspiele Brutus habe ich an dem erwähnten
Orte eingehend erörtert; bei ihm, wie bei anderen finden wir
nur stumpfen Vers, der gleichsam das Erkennungszeichen der
Lessing’schen Schule bildet.
Gleim sah die Schönheit unseres Versmasses auch sehr
bald ein, er schrieb am 29. April 1747 an Bodmer: 2 ,Die
Erzählung des Hippomedons in den ,Malern der Sitten' habe
1 Werke (Hempel) 9, 137.
2 Briefe der Schweizer, S. 49.