Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

672

Sauer.

sechsten  Decenniums  den  fünffüssigen  Iambus  zu  verwenden
begann;  ich  habe  den  Vers  in  den  drei  Fragmenten  Kleonnis,
Fatime  und  Das  Horoscop  mit  den  im  Nathan  genau  verglichen,
habe  den  Vers  mit  stumpfem  Ausgang  als  charakteristisch  für
Lessing  nachgewiesen  und  den  Kleonnis  aus  äusseren  und
inneren  Gründen  in  die  Zeit  von  1756—1758  gesetzt.
Trotz  seinem  grossen  Interesse  an  dieser  Versart  dauert
es  noch  fast  fünfundzwanzig  Jahre,  bis  er  ein  Werk  in  fünffüssigen ­
  Jamben  in  die  Welt  sendet,  und  seine  Versuche  blieben
unvollendet  im  Pulte.  Aber  er  hatte  dazu  seine  guten  Gründe.
Im  40.  Litteraturbriefe  (17.  Mai  1759)  meint  er,  1  ,unmerklich'
müsse  sich  das  Ohr  an  eine  neue  Versart  gewöhnen,  ,allein  ein
neues  Metrum  aus  Gründen  anpreisen  wollen  und  von  dem
möglichen  Gebrauche  desselben  Muster  geben,  die  ausser  diesem
neuen  Metro  selbst  nichts  vorzügliches  haben,  das  heisst  plump
zu  Werke  gehen'.  Weil  nun  kein  bedeutendes  nationales  Werk
wie  Milton’s  Epos  vorhanden  war,  auf  welches  er  im  Beginn
dieses  Briefes  hinwies  und  er  selbst  bald  wieder  von  anderen
Interessen  eingenommen  war,  so  suchte  er  seine  Freunde  für
dieses  Versmass  zu  begeistern,  und  wirklich  gelang  es  diesen,
einige  Dichtungen  zu  schaffen,  deren  innere  Schönheit,  nach
Lessing’s  Wunsch,  die  ungewohnte  Versart  so  lange  vertraten,
,bis  sich  das  Ohr  unmerklich  an  sie  gewöhnt  und  in  dem,  was  es
anfangs  nur  duldete,  endlich  auch  Wohlklang  entdeckt'  hatte.
Im  Drama  folgten  Brawe,  Gleim  und  Weisse  Lessing’s
Anregung,  und  in  kleineren  erzählenden  Dichtungen  wie  in
der  Epopöe  suchte  Kleist  Lessing’s  Versmass  zu  verwenden.
Brawe’s  Vers  in  seinem  1757—1758  entstandenen  und  1768
gedruckten  Trauerspiele  Brutus  habe  ich  an  dem  erwähnten
Orte  eingehend  erörtert;  bei  ihm,  wie  bei  anderen  finden  wir
nur  stumpfen  Vers,  der  gleichsam  das  Erkennungszeichen  der
Lessing’schen  Schule  bildet.
Gleim  sah  die  Schönheit  unseres  Versmasses  auch  sehr
bald  ein,  er  schrieb  am  29.  April  1747  an  Bodmer: 2  ,Die
Erzählung  des  Hippomedons  in  den  ,Malern  der  Sitten'  habe

1  Werke  (Hempel)  9,  137.
2  Briefe  der  Schweizer,  S.  49.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.