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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

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Saue  r.

werden  wol  keine  Rechtfertigung  von  mir  erwarten,  dass  ich
mein  Original  in  deutscher  Prosa  zurückgebe,  da  es  doch
grösstentheils  in  reimlosen  fiinffüssigcn  Versen  geschrieben  ist.
Unsere  Hendekasyllaben  sind  ausserordentlich  schwer  in  der
Bearbeitung,  wenn  sie  der  Vollkommenheit  ciuigermassen  nahe
kommen  sollen;  fallen  sie  dagegen  zu  kurz,  so  halte  ich  sie
dem  Ohre  für  weit  unangenehmer,  als  eine  schöne  Prosa.  Im
Drama  wenigstens  schicken  sie  sich  nur  für  lange  Monologen,
lange  poetische  Tiraden;  sobald  sie  aber  dem  Dialog  und  der
Simplicität  des  Umganges  angemessen  werden  sollen,  sind  sie
unerträglich  Hagedorn  selbst  würde  sieh  im  dramatischen ­
  Gedichte  bei  so  vielen  Schwierigkeiten  nicht  im  Tone
haben  erhalten  können.  Den  besten  Ausweg  scheint  mir  Klopstock
  in  seinem  Salomo  gefunden  zu  haben;  ich  besox'ge  aber
sehr,  dass  man  noch  immer  viel  Zwang  und  Mattigkeit  darinnen
antreffen  werde.  Sie  werden  in  meinem  engländischen  Trauerspiele ­
  eine  poetische  Maskerade  linden,  die  ich  in  Hendecasyllaben
  übersetzt  habe,  weil  jene  Schwierigkeiten  dabei  wegfielen, ­
  da  sie  sich  dem  dichterischen  Schwünge  mehr  näherte,
wiewol  ich  sie  für  nichts  weniger,  als  für  schön  halte.  Im
Originale  ist  sie  gereimt'.  Diese  Maskerade  nun  (S.  39—47)
besteht  mit  Ausnahme  der  Gesänge  aus  140  reimlosen  jambischen ­
  Versen,  von  denen  beiläufig  60  klingend  sind.  Hiatus
ist,  wie  sonst  von  Gerstenberg, 1  auch  hier  vermieden  (S.  44
,Meer’  und').  Des  Enjambements  bedient  er  sich  nur  selten,
dagegen  finden  sich  andere  Unregelmässigkeiten;  vier  Verse
sind  Sechsfüssler:  S.  39  ,Hör,  helle  Cynthia,  mir  zu.  Ich  bin
die  Nacht';  40  ,Lass  ihre  sanften  Lieder  uns  den  Glücklichen';
41  ,Hier  eine  schönre  Scene,  hier  den  Liebenden'  und  ,Dies
majestätsche  Schauspiel  nicht  genug?  0  nun';  46  steht  ein
Vers  ,Für  diesmal!  Dank!  Dank  und  Lob  euch  allen',  welcher
durch  die  Conjectur  ,diesesmal'  kaum  gebessert  werden  könnte.
Im  Versschluss  verwendet  Gerstenberg  einige  Male  Composita:
  S.  39  ,Antlitz';  41  ,Wollust',  ,Aufzug'.  Syncopiert  muss
werden  in  dem  Verso  (S.  42)  ,Sei'  hier  verschwenderisch,  und
ich  will  dir  danken',  wo  ,verschwendrisch'  zu  lesen  ist.  In
seinen  übrigen  Werken  bedient  sich  Gerstenberg  unseres

1  Vgl.  Wer  ner  ,  Zeitschrift  für  die  österreichischen  Gymnasien  1878,  S.  532.
            
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