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Saue r.
werden wol keine Rechtfertigung von mir erwarten, dass ich
mein Original in deutscher Prosa zurückgebe, da es doch
grösstentheils in reimlosen fiinffüssigcn Versen geschrieben ist.
Unsere Hendekasyllaben sind ausserordentlich schwer in der
Bearbeitung, wenn sie der Vollkommenheit ciuigermassen nahe
kommen sollen; fallen sie dagegen zu kurz, so halte ich sie
dem Ohre für weit unangenehmer, als eine schöne Prosa. Im
Drama wenigstens schicken sie sich nur für lange Monologen,
lange poetische Tiraden; sobald sie aber dem Dialog und der
Simplicität des Umganges angemessen werden sollen, sind sie
unerträglich Hagedorn selbst würde sieh im dramatischen
Gedichte bei so vielen Schwierigkeiten nicht im Tone
haben erhalten können. Den besten Ausweg scheint mir Klopstock
in seinem Salomo gefunden zu haben; ich besox'ge aber
sehr, dass man noch immer viel Zwang und Mattigkeit darinnen
antreffen werde. Sie werden in meinem engländischen Trauerspiele
eine poetische Maskerade linden, die ich in Hendecasyllaben
übersetzt habe, weil jene Schwierigkeiten dabei wegfielen,
da sie sich dem dichterischen Schwünge mehr näherte,
wiewol ich sie für nichts weniger, als für schön halte. Im
Originale ist sie gereimt'. Diese Maskerade nun (S. 39—47)
besteht mit Ausnahme der Gesänge aus 140 reimlosen jambischen
Versen, von denen beiläufig 60 klingend sind. Hiatus
ist, wie sonst von Gerstenberg, 1 auch hier vermieden (S. 44
,Meer’ und'). Des Enjambements bedient er sich nur selten,
dagegen finden sich andere Unregelmässigkeiten; vier Verse
sind Sechsfüssler: S. 39 ,Hör, helle Cynthia, mir zu. Ich bin
die Nacht'; 40 ,Lass ihre sanften Lieder uns den Glücklichen';
41 ,Hier eine schönre Scene, hier den Liebenden' und ,Dies
majestätsche Schauspiel nicht genug? 0 nun'; 46 steht ein
Vers ,Für diesmal! Dank! Dank und Lob euch allen', welcher
durch die Conjectur ,diesesmal' kaum gebessert werden könnte.
Im Versschluss verwendet Gerstenberg einige Male Composita:
S. 39 ,Antlitz'; 41 ,Wollust', ,Aufzug'. Syncopiert muss
werden in dem Verso (S. 42) ,Sei' hier verschwenderisch, und
ich will dir danken', wo ,verschwendrisch' zu lesen ist. In
seinen übrigen Werken bedient sich Gerstenberg unseres
1 Vgl. Wer ner , Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien 1878, S. 532.