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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

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Sauer.

Aiifügen  will  ich  die  Erwähnung  dreier  Verse  über
Gottsched’s  Uebersetzung  von  Bayle’s  Wörterbuch,  welche
sich  in  einem  Briefe  an  Sulzer,  December  1747,  vorfinden
(Briefe  der  Schweizer  S.  72).  Ein  Vers  ist  weiblich;  Hiatus
vermieden:  ,sollt’  ein'.
1747  folgte  ,Alexander  Popens  Duncias',  in  unserer  Versart
 1  übersetzt,  1237  Verse,  von  denen  ein  Drittel  stumpf  ist;
41  sechsfüssige  und  ein  vierfüssiger  (S.  7,  V.  187  ,Stets  ausgerecket
  sein,  der  Beigen')  sind  eingestreut;  nur  zwei  Hiaten
sind  mir  aufgestossen;  11,  307  ,Erschütterte  ein';  22,  326
,kletterte  auf';  daher  viele  Apokopen;  2,  54:  ,die  Stärk’  ein';
3,  81  ,die  Epope’  umarmet';  3,  87  ,frücht’  und';  8,  213  ,Lehr’
unfruchtbar';  8,  231  ,die  römischen  Gäns’  all'.  Von  Vers  zu
Vers  zählte  ich  46mal  Hiatus.  Auch  Synkopen  finden  sich
ziemlich  zahlreich:  2,  50  ,besagende';  3,  66  ,hitzigs';  12,  9
,Augs';  12,  12  ,närrsch';  31,  91  ,sendt';  er  verwendet  Formen
wie  1,  18  ,befestgen‘;  29,  36  ,vorge';  29,  46  ,künftgen'  32,  127
,andre';  36,  140  .predgen',  auch  im  weiblichen  Ausgange,  in
welchem  er  jeden  schwereren  Fall  vermeidet;  nur  ganz  am
Ende  des  dritten  Gesanges  schreibt  er  39,  314  ,sitzt  er';  40,
330  ,Nachwelt';  40,  339  ,Stadtrath'  an  dieser  Versstelle.  Wortund
  Satzbetonung  wird  manchmal  arg  geschädigt:  8,  214  Beispiele'; ­
  10,  276  ,Vorreden';  11,  296  und  14,  58  ,Kunstrichter';

1  Ueber  dieselbe  urtheilt  Hagedorn  in  einem  Briefe  an  Bodmer  vom
13.  April  1748  (Stäudlin,  S.  68  f.):  ,Die  deutsche  Duncias  fordert  schon
grössere  Kenner  und  Deutsche,  welchen  auch  der  englische  Hendecasillabus,
  den  Sie  mir  zu  einer  Erzählung  vorschlagen,  nicht  zuwider  ist,  und
die  reimfreien  Verse  nicht  blosserdings  den  anacreontischen  Oden  erlauben ­
  wollen.  Hier  ist  es  so  wahr  als  seltsam,  dass  Dichter,  die  noch
immer  ihre  Gedanken  gereimt  haben,  Andern  und  sich  selbst  nicht  Zutrauen, ­
  dass  sie  so  glücklich  und  gefällig  ohne  die  klingenden  Fesseln
des  Reims  sich  ausdrücken,  als  nach  Ablegung  derselben.  So  vermögend
und  mechanisch  ist  die  lange  Gewohnheit! 4  Bodmer  widerholt  dies
Bild,  wenn  er  an  Hagedorn  schreibt  (10.  September  1748  Hagedorn’s
Werke  o,  209):  ,Meine  Duncias  soll  an  dem  Schriftsteller  ä  la  Mode
einen  Misvergnügten  gefunden  haben,  vermuthlich  nur  die  Uebersetzung
und  der  Mangel  am  Reime.  Er  mag  Einer  von  denen  sein,  die  sich  nicht
getrauen,  dass  sie  nach  Ablegung  der  Fesseln  so  hurtig  springen  können,
als  in  denselben.  Ich  wollte  den  eilfsilbigen  Vers  in  keinem  grossen
oder  ernsthaften  Gedichte  gebrauchen,  seitdem  ich  die  Tüchtigkeit  der
Hexameter,  die  Kleist  und  Klopstock  gebrauchen,  erkannt  habe 4 .
            
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