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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

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S  a  u  g  r.

Aus  lauter  fünffüssigen  Iamben  bestellt  auch  das  Gedicht  S.  56
,Die  Kunstrichter'  von  Lange:  sechszeilige  Strophen,  die  Verse
abwechselnd  stumpf  und  klingend.  Bei  der  zweiten  Auflage
der  Lieder,  welche  Lange  1749  veranstaltete,  blieb  diese  Ode
weg,  wurde  aber  unter  seinen  Horazischen  Oden  (Halle  1747,
S.  151—155)  gedruckt.  Auch  auf  die  letztgenannte  Sammlung
müssen  wir  rasch  einen  Blick  werfen;  sie  enthält  eine  ganze
Reihe  von  Gedichten,  aus  vier-,  sechs-  oder  achtzeiligen  Strophen
iambischer  Fünffüssler.  Ihre  Bedeutung  ist  keine  grosse:  sie
haben  von  den  englischen  Versen  nur  die  freiere  Caesur  entlehnt; ­
  Enjambement  findet  sich  nicht  oder  fast  nicht;  die  Verse
theilen  sich  in  stumpfe  und  klingende,  doch  so,  dass  die  letzteren ­
  oft  überwiegen.  Ich  hebe  nur  einige  hervor:  50—51  ,Auf
den  Hr.  v.  Kleist'  (darin  ein  Vers  mit  trochäischem  Rhythmus:
,Doch  gleich  sah  ich  dich,  wie  Du  mich  lächelnd  nahmst',
in  welchem  aber  nach  dem  Druckfehlerverzeichnisse  ,doch'
getilgt  werden  muss);  91—93  ,Die  rechte  Grösse,  oder  das  Lob
der  Schweizer'  (darin  92  ein  vierfüssiger  Vers:  ,Und  lacht  der
aufgebrachten  Lästrung');  99—100  ,An  den  Horatz.  Im  Jahr
1739';  106—108  ,Auf  den  Hrn.  von  Krosigk'  (darin  ein  Vierfüssler
  S.  106  ,Ihn  seines  treuen  Freunds  erinnre';  ,erinnere',
weil  männliche  Endung  erforderlich  ist)  und  ,An  den  König.
Im  Jahre  1744'.
Ueber  seine  eigenen  Uebersetzungen  hat  sich  Bodmer
in  der  Vorrede  zu  den  freundschaftlichen  Liedern  ausgesprochen
und  auch  die  Versart  berührt:  ,Er  hat  ohne  Reime  übersetzet,
damit  er  durch  dieselben  nicht  von  den  Hauptquellen  abgezogen
und  auf  Irrwege  geführt  würde.  Er  hat  die  Pausen  in  dem
Verse  auf  keine  gewisse  Silbe  gesetzet,  damit  sich  die  Gedanken ­
  des  Urhebers  mit  ihrem  eigenen  Schwünge  desto  natürlicher ­
  in  den  Vers  einspannen  Hessen.  Er  hat  den  seclizehnsilbigten
  Vers  für  eben  so  langsam  als  lange  gehalten,  und  auch
den  zwölfsilbigten  sich  nur  wenige  mahl  erlaubt'.  Bodmer
gebraucht  freie  Caesur  1  und  lässt  stumpfe  und  klingende  Verse
wechseln,  so  dass  diese  in  der  Ueberzahl  bleiben.
‘An  Hagedorn  schreibt  Bodmer  12.  April  1745  (Hagedorn’s  Werke  5,
185  f.):  ,In  Popes  neunzehnten  Briefe  an  Walsh  werden  Sie  Gedanken
über  den  Abschnitt  im  zehnsilbigen  Verse  antreffen,  welche  mit  den
meinigen  ganz  genau  übereinstimmend
            
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