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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

nachzuahmen,  die  sich  allezeit  mit  einer  langen  Silbe  schliessen'.
Dass  er  in  dem  zweiten  Stücke  nur  weiblichen  Ausgang  verwendete, ­
  begründet  er  damit,  ,weil  ich  die  zärtliche  Art  der
lateinischen  Hendecasyllaben  gerne  im  Deutschen  ausdrücken,
und  zu  dem  Ende  auch  hier  lauter  eilfsilbichte  Verse  brauchen
wollte,  als  welche  mir  dazu  überaus  bequem  schienen;  ob  ich
gleich  das  übrige  Silbenmass  der  Lateiner  in  solchem  Masse
nicht  beobachten  konnte'.  In  den  Critischen  Beiträgen  2  (1733),
155  stellt  er  einem  Stücke  der  Seckendorf’schen  Lucanübersetzung
  eine  eigene  U'ebertragung  dieser  Stelle  gegenüber  in
demselben  Versmasse  nur  ohne  Enjambement;  überdies  klarer
und  verständlicher  ohne  der  Sprache  so  viel  Gewalt  anzuthun.
Nach  der  deutschen  Sprachkunst  S.  606  und  nach  den  Critischen
Beiträgen  1,  98  stehen  auch  in  seiner  Zeitschrift:  ,Der  Biedermann' ­
  und  in  ,Der  deutschen  Gesellschaft  in  Leipzig  gesammelten ­
  Reden  und  Gedichten'  bei  der  Aufnahme  des  Freiherrn
von  Seckendorf  reimlose  Gedichte  von  Gottsched,  welche  Inhaber ­
  nicht  zugänglich  sind.
Gewiss  hatte  Gottsched  volles  Recht  in  ,dem  Neuesten
aus  der  anmuthigen  Gelehrsamkeit'  1752,  2,  210  zu  sagen:  ,Ich
bin  vielleicht  mit  einer  von  den  ersten  gewesen,  welche  die
reimlosen  Verse  zu  gewissen  Arten  von  Gedichten  eifrig  angepriesen ­
  haben'.
■
2.  Bodmer,  Wieland,  Jtlopstock.
Bo  dm  er  zeigte  vom  Beginn  seiner  litterarischen  Thätigkeit
  an  grosse  Vorliebe  für  den  reimlosen  Vers;  in  den  ,Discoursen
  der  Mahlern'  (Zürich,  1721—1723)  ist  der  siebente
Discours  des  zweiten  Theiles  (2.  S.  49—56)  gegen  die  Reime
gerichtet  und  die  an  den  verschiedensten  Stellen  eingestreuten
poetischen  Proben  zeigen  alle  reimlose  Alexandriner. 1  Dass
1  2,  33—35:  74  Zeilen  (Der  Maler  der  Sitten,  Zürich  174G.  1,  46—49  fast
ganz  umgearbeitet);  Widmung  (2,  589—590);  3,  38—39  (fehlt  in  der
2.  Aufl.);  3,  179—181  (1,  188-190,  etwas  verändert);  3,  183—184  (1,
190—192);  4,  123—124  (2,  157—160).  Nur  in  der  zweiten  Auflage  1746
stehen  1,  294-295;  1,  367;  2,  157—160;  1,  589—590.  Der  Pudelhund,
eine  Erzählung,  ist  in  gereimten  fiinffüssigen  Iamben  mit  freier  Caesur
abgefasst  (Der  Maler  der  Sitten  2,  604—611),  denen  nur  sechs  sechsfüssige
beigemischt  sind.
Sitznngsber.  d.  phil.-liist.  CI.  XC.  Bd.  III.  Ilft.  41
            
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