nachzuahmen, die sich allezeit mit einer langen Silbe schliessen'.
Dass er in dem zweiten Stücke nur weiblichen Ausgang verwendete,
begründet er damit, ,weil ich die zärtliche Art der
lateinischen Hendecasyllaben gerne im Deutschen ausdrücken,
und zu dem Ende auch hier lauter eilfsilbichte Verse brauchen
wollte, als welche mir dazu überaus bequem schienen; ob ich
gleich das übrige Silbenmass der Lateiner in solchem Masse
nicht beobachten konnte'. In den Critischen Beiträgen 2 (1733),
155 stellt er einem Stücke der Seckendorf’schen Lucanübersetzung
eine eigene U'ebertragung dieser Stelle gegenüber in
demselben Versmasse nur ohne Enjambement; überdies klarer
und verständlicher ohne der Sprache so viel Gewalt anzuthun.
Nach der deutschen Sprachkunst S. 606 und nach den Critischen
Beiträgen 1, 98 stehen auch in seiner Zeitschrift: ,Der Biedermann'
und in ,Der deutschen Gesellschaft in Leipzig gesammelten
Reden und Gedichten' bei der Aufnahme des Freiherrn
von Seckendorf reimlose Gedichte von Gottsched, welche Inhaber
nicht zugänglich sind.
Gewiss hatte Gottsched volles Recht in ,dem Neuesten
aus der anmuthigen Gelehrsamkeit' 1752, 2, 210 zu sagen: ,Ich
bin vielleicht mit einer von den ersten gewesen, welche die
reimlosen Verse zu gewissen Arten von Gedichten eifrig angepriesen
haben'.
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2. Bodmer, Wieland, Jtlopstock.
Bo dm er zeigte vom Beginn seiner litterarischen Thätigkeit
an grosse Vorliebe für den reimlosen Vers; in den ,Discoursen
der Mahlern' (Zürich, 1721—1723) ist der siebente
Discours des zweiten Theiles (2. S. 49—56) gegen die Reime
gerichtet und die an den verschiedensten Stellen eingestreuten
poetischen Proben zeigen alle reimlose Alexandriner. 1 Dass
1 2, 33—35: 74 Zeilen (Der Maler der Sitten, Zürich 174G. 1, 46—49 fast
ganz umgearbeitet); Widmung (2, 589—590); 3, 38—39 (fehlt in der
2. Aufl.); 3, 179—181 (1, 188-190, etwas verändert); 3, 183—184 (1,
190—192); 4, 123—124 (2, 157—160). Nur in der zweiten Auflage 1746
stehen 1, 294-295; 1, 367; 2, 157—160; 1, 589—590. Der Pudelhund,
eine Erzählung, ist in gereimten fiinffüssigen Iamben mit freier Caesur
abgefasst (Der Maler der Sitten 2, 604—611), denen nur sechs sechsfüssige
beigemischt sind.
Sitznngsber. d. phil.-liist. CI. XC. Bd. III. Ilft. 41