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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

Erasmiana.  I.

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Freiburg  im  Breisgau.  XVII.  April  1531.
Erasmus  an  Viglius. 1
S.  P.  Utinam  esset  aliquid  mi  Vigli,  quod  hie  tibi  possim
polliceri,  tuis  uirtatibus  dignum.  Zasio  seripsi,  nee  enim  aliter
colloquimur,  respondit  oüäs  ypb  idque  praeter  morem  suum.  Si
quid  illi  accideret,  arbitror  successurum  Bonifaciuni  Amerbachium.
  Nec  ulla  uocat  hic  nunc  professio.  De  Cannio 2  nolim
de  posthac  meminisse.  Excusat  se  per  litteras  atque  etiam
incusat.  Iam  sacrificus  factus  est,  nolim  superioris  offensae
uestigium  superesse  posteaquam  iam  est  alius.
Me  uehementer  delectauit  tarn  honorifieum  Alciati 3  de  te
testimonium.  Ego  sane  praeclarius  arbitror  a  tali  uiro  laudare,
1  Viglius  ab  Ayta  (Zuichemus)  war  ein  Friese.  Er  wurde  am  19.  October  1507
geboren,  als  Sprössling  eines  hochadeligen  alten  Geschlechtes.  Er  studirte
in  Löwen,  Dole  die  Rechte,  wurde  1529  zu  Valence  Doctor  legum,
später  Professor  zu  Bourges  und  Padua,  dann  Official  des  Bischofs  zu
Münster,  Assessor  beim  Kammergerichte  zu  Speier  (1535),  1537  an  die
Universität  Ingolstadt  berufen,  wo  er  mit  grossem  Ruhme  lehrte.  Von
vielen  Fürsten  begehrt  und  gesucht,  wurde  er  zu  Gesandtschaften  benützt,
war  k.  Commissär  in  der  Sache  des  Erzbischofs  von  Köln,  Hermann  von
Wied  (cf.  Ranke  deutsche  Geschichte  IV  f.),  war  dann  geheimer  Rath  der
Statthalterin  Marie  in  den  Niederlanden,  stieg  immer  höher  und  starb
als  Präsident  des  Staatsrathes,  Siegelbewahrer  und  Kanzler  des  goldenen
Vliesses  am  8.  Mai  1577  zu  Brüssel.  Ueber  seine  Schriften  cf.  Gesner
Bibliotheca,  Franc.  Swertii  Athenae  Belgicae.  Burscher  Spicilegium  X.
Es  existiren  mehrere  Briefe,  die  den  Verkehr  des  Viglius  mit  Erasmus
bezeugen.  So  der  erste  schüchterne  Schülerbrief  (Opera  1156  a.  1529),
in  dem  Viglius  dem  Erasmus  verspricht,  ihn  gegen  dessen  Feinde  vertheidigen
  zu  wollen,  worauf  dieser  fein  ablehnend  antwortet:  malim  te,
mi  Vigli,  in  Musarum  uiretis  ludere  quam  cum  Carcinis  et  Planodorpiis
conflictari  (1160).  Dabei  ist  aber  Erasmus  ausnehmend  artig  gegen  den
Jüngling,  den  er  sogar  einlud  und  dem  er  in  unserem  Briefe,  in  dem
er  ihm  freilich  die  Hoffnung  auf  eine  Berufung  nach  Freiburg  (um  1531)
benimmt,  ein  glänzendes  Loos  prophezeit.  Später  warnt  er  ihn  vor  dem
Ciceroniasmus  (Opera  III.  1430)  und  unterrichtet  ihn  über  seine  Fehden
und  Antipathien  (Opera  III.  1754,  1756,  1759).  Viglius  gibt  ihm  hinwiederum ­
  Nachrichten  über  die  wiedertäuferische  Bewegung  und  ihren
Ausgang  (Spicileg.  X.  6.  8.  ff.).  Cf.  das  treffliche  Buch  von  Stintzing:
U.  Zasius  290.
2  Die  Hs.  hat  Canio.
3  Ueber  den  berühmten  Alciat.  Stintzing:  Zasius.
            
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