Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

414

Horawitz.

In  seinem  Briefe  vom  24.  März  1528  1  an  Herzog  Georg
äussert  Erasmus  wahrhaft  goldene  Worte  über  das  massvolle
Vorgehen  gegen  die  Andersdenkenden.  Dass  er  lieber  milde
Massregeln,  als  Tausende  von  Menschen  erschlagen  sähe,
habe  er  mit  Augustinus,  Hieronymus,  kurz  mit  allen  Vorkämpfern ­
  des  Christenthums  gemein.  —  Aber  auch  ,humanae
conditionis  respectus'  rathe  dazu.  Und  trefflich  fährt  Erasmus
fort:  ,De  saeuitia  bellorum  nihil  sensi,  quanquam,  si  fieri  posset,
optarem  et  Monarcharum  animos  iungeret  Christiana  concordia
et  huc  frequenter  sum  hortatus  Caesarem.  Id  si  fieri  non  potest
illud  precari  non  desinam,  ut  Caesar  ac  Ferdinandus  uincant
quam  minima  sanguinis  humani  dispendio 1 .  Wenn  Georg  wüsste,
wie  die  Mönche  in  Spanien,  die  Bedaiten  in  Frankreich  wüthen,
so  würde  er  Erasmus  begreifen.  Jene  Leute  schaden  der  Kirche
am  meisten.  Die  Grausamkeit  und  Strenge  der  Fürsten  kann
das  Uebel  nur  schlimmer  machen,  er  fürchte  für  die  Fürsten
und  den  Staat. 2  —  Zwei  Tage  früher  hatte  Melanchthon  an
Erasmus  geschrieben, 3  einen  so  liebenswürdigen,  schwärmerischen ­
  Brief,  wie  Melanchthon  so  viele  z.  B.  an  Joachim
Camerarius  gesandt.  Er  spricht  darin  seine  Freude  aus,  dass
Erasmus  nicht,  wie  er  aus  dem  Hyperaspistes  argwöhnte,  gegen
ihn  gereizt  sei,  er,  dem  er  die  unveränderte  Gesinnung
bewahre.  Denn  möchte  er  auch  widerstreben,  ,rapiunt  me  in
amorem  tui  excellentes  ingenii  tui  dotesh  Tief  bedauert  er,
dass  zwischen  Luther  und  Erasmus  ein  so  heftiger  Streit  ausgebrochen. ­

Man  sieht  auch  aus  diesen  Zeilen  des  edlen  Mannes,  wie
weh  ihm  dieser  Streit  thut,  aber  er  bezwingt  sich  und  sagt
dem  alten  Meister  Worte  zartester  Ergebenheit.  In  der  Förderung ­
  der  Wissenschaft  möge  Erasmus  nicht  nachlassen  —
er  verweist  ihn  damit  gar  fein  auf  sein  eigentliches  Gebiet  —
zeigt  sich  auch  die  Gegenwart  nicht  dankbar,  gewiss  werde

1  In  dem  Briefe  vom  5.  Februar  1528  empfiehlt  Erasmus  den  Franz  Dilfus
einen  ausserordentlich'  geliebten  Jüngling,  der  dem  Herzog  Alles  über
Erasmus  sagen  werde  und  den  auch  er  zu  Melanchthon  sandte  (cf.  Corpus
Reform.  I.  946).
2  Opera  III.  1072.  In  dem  sub  X  gedruckten  Briefe  handelt  Erasmus  nur
von  II.  Eppendorf.
3  Corp.  Reform  I.  946.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.