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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

Erasmiana.  I.

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In  seinem  nächsten  Briefe  an  Georg  (vom  30.  December
1527)  wiederholt  Erasmus  so  ziemlich  das,  was  er  in  dem  vom
1.  September  gesagt,  spricht  sehr  scharf  gegen  die  Mönche,  die
mehr  um  den  Bauch  besorgt  seien,  als  um  das  Evangelium,  wie
gegen  die  Bischöfe,  die  sich  um  alle  anderen  Dinge  kümmern.
Er  sehe  die  gefährlichsten  Zeiten  herannahen.  Der  Brief  ist
überhaupt  ausserordentlich  lesenswerth  und  voll  der  treffendsten
Bemerkungen.  Er  fragt  in  diesem  Briefe  auch  an,  ob  der  zweite
Theil  des  Hyperaspistes  schon  angekommen.  1  Am  16.  Januar
1528 2  schreibt  er  an  Georg,  dass  es  ihn  sehr  freue,  dass  der
Hyperaspistes  zugleich  mit  dem  Briefe  angekommen,  noch
mehr  aber,  dass  er  dem  Herzog  nicht  misfalle.  Er  bedauert  den
Tod  Emser’s  (f  8.  November  1527)  und  bestätigt  den  Empfang  des
Briefes  Luther’s  an  Georg  und  dessen  Brief  an  jenen  in  lateinischer ­
  Uebersetzung  u.  s.  w.  —  Einige  Zeit  später  (18.  Februar
1528)  schickte  der  Kanzler  Pistorius  ein  Buch  in  deutscher
Sprache  ,de  communione  sub  una  specie‘,  das  Carlowitz  für
Erasmus  lateinisch  übersetzen  solle.  Pistorius  stellt  ihm  nun
die  Aufgabe  zu  erkennen,  wer  es  verfasst  ,paucis  enim  constat
ex  cuius  officina  prodierit'. 3
dem  Grunde  schrieb,  weil  er  bereits  Leipzig  verlassen.  Eben  in  diesem
Schreiben  spricht  Erasmus  nur  von  dem  ersten  Theile  des  Hyperaspistes,
sagt  ausdrücklich  respondi  operis  dimidio.  Reliquum  nunc  est  in
manibus.  Also  war  der  zweite  noch  nicht  fertig,  was  noch  weiters
durch  die  Bemerkung  bestätigt  wird:  Quod  absolutum  est,  ad  te  mitto.
—  Eine  Schwierigkeit  bereitet  nur  der  Verweis  des  Erasmus  in  jenem
Briefe  an  Georg  hinsichtlich  der  That  des  Königs  von  Frankreich,  von
der  sich  im  Briefe  Emser’s  nichts  vorfindet.  Daraus  Hesse  sich  aber  nur
folgern,  dass  diess  nicht  jener  obgenannte  Brief  an  Emser  ist;  an  der
Datirung  jenes  Schreibens  des  Erasmus  an  Georg  (2.  September  1526)
möchte  ich  aber  trotzdem  festhalten.
1  Proximis  autem  nundinis  misimus  Illustr.  Celsitudini  tuae  schreibt  er  da
secundum  Hyperaspistae  librum  una  cum  literis  (Opera  III.  1050).
Dieser  Brief  ist,  wie  wir  sahen,  vom  1.  September  datirt,  man  kann  nun
annehmen,  dass  jene  Datirung  oder  diese  vom  30.  December  falsch  ist.
Denn  der  Ausdruck  proximis  nundinis  kann  doch  bei  der  Distanz
zwischen  1.  September  und  30.  December  nicht  zulässlich  sein.  Zur
Rettung  der  bisher  angenommenen  Datirung  könnte  höchstens  angenommen
werden,  dass  der  Brief  und  die  Sendung  in  Ermanglung  eines  Boten  (vide
Brief  vom  1.  September  1527)  einige  Zeit  liegen  blieben.
2  Opera  III.  1058.
3  Spicileg.  XIV.  19.
            
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