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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

Erasmiana.  I.

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erinnern,  die  Mönche  in  Wirklichkeit  würden,  was  sie  heissen.
Das  werde  auch  Jeder  finden,  der  ihn  ohne  Voreingenommenheit
lese,  wenn  man  aber  die  Werke  des  Chrysostomus  und  Hieronymus ­
  in  dem  Sinne  lese,  mit  dem  man  seine  lese,  würde
man  wohl  mehr  zu  tadeln  finden,  als  in  seinen. 1  Aehnlichen
Anklagen  der  schlechten  Mönche  und  gleichgearteten  Theologen
—  die  er  bei  den  Deutschen  nicht  kenne,  wohl  aber  in  Spanien,
Ungarn,  Polen,  England,  den  Niederlanden  und  besonders  in
Frankreich,  wo  sie  gegen  die  guten  Wissenschaften  einen  argen
Lärm  erheben  —  ähnlichen  Anklagen  begegnet  man  auch  in
einem  Briefe  an  Gleorg  von  Sachsen  vom  2.  September  1526
(Nr.  XI  unserer  Sammlung).  Sie  seien  es,  die  gegen  ihn  als
den  zu  Felde  zögen,  von  dem  man  glaubt,  dass  er  die  guten
Studien  erweckt  oder  doch  gefördert  habe,  gewiss  hätten  sie
gesiegt,  wenn  sie  nicht  durch  die  Fürsten  in  Zaum  gehalten
worden  wären.
Der  zweite  Theil  des  Hyperaspistes  wurde  jedesfalls
damals  mit  Begier  erwartet,  Erasmus  entschuldigt  sich  mit
seiner  Krankheit,  die  Aerzte  gäben  keine  Hoffnung.  Er  bittet,
nachdem  er  dem  Herzog  Mittheilung  gemacht,  dass  er  den
Briefwechsel  Georgs  und  Luther’s  an  den  englischen  Hof  gesandt, ­
  die  Wissenschaften  auch  fortan  so  unterstützen  zu  wollen,
wie  er  bisher  gethan.
Dass  der  zweite  Theil  des  Hyperaspistes  nicht  sogleich
erschien,  erzeugte  am  sächsischen  Hofe  neuerdings  eine  Verstimmung ­
  gegen  Erasmus,  der  Emser  in  einem  Briefe  (vom
25.  December  1526) 2  Ausdruck  gab.  Nach  freundlichen  Versicherungen ­
  der  Huld  des  Herzogs  und  des  ganz  ,erasmischen‘
Pistorius,  die  sich  durch  die  Bedda  und  Sutor  nicht  irre  machen
Hessen,  äussert  Emser  sein  Befremden  über  die  Verzögerung
des  zweiten  Theiles  des  Hyperaspistes,  das  mache  ihn  auch
bei  ihnen  —  verdächtig.  Er  möge  dazu  sehen,  diese  Schrift  zu
vollenden.  Es  widerstrebt  mir  länger  bei  den  Worten  zu  verweilen, ­
  in  denen  Emser  einerseits  den  König  von  England  in

1  Der  Brief  an  Georg  vom  30.  Juli  1526  (Opera  III.  945)  enthält  nichts
als  Bemerkungen  über  den  noch  nicht  eingetroffenen  Ehrenbecher  und
Klagen  über  Arbeitslast  und  Krankheit.
2  Spicil.  XIV.  5.
            
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