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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

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H  o  r  a  w,  i  t  z.

,sit  posthac  iuter  nos  omnium  querimoniarum  ac  suspicionum
finis!'  Ich  meine  doch,  dass  Erasmus  damals  schon  entschlossen
war,  nochmals  gegen  Luther  aufzutreten.  Da  erfolgte  die  Herausgabe ­
  der  Schrift  Luthers  ,de  seruo  arbitrio'  mit  ihren  heftigen
und  beleidigenden  Ausfällen  gegen  Erasmus.  Was  lag  bei
Erasmus  so  leicht  verletzbarer  Art  näher,  als  dass  er  nunmehr
der  vollen  Erbitterung  gegen  Luther,  dessen  Lehre  und  Anhänger ­
  die  Zügel  schiessen  Hess?  1  Dazu  kamen  aber  aufs  Neue
die  Aufreizungen  vieler  Gönner  und  Befreundeter.  Herzog
Georg  fehlte  hierin  nicht.  In  unserer  Nr.  X  (vom  16.  April
1526)  schildert  er  recht  absichtlich  das  eminente  Aufsehen,
das  Luther’s  Schrift  errege,  man  sage  —  referirt  er  —  es  sei
nichts  Aehnliches  noch  geschrieben  worden,  er  habe  sich  selbst
damit  übertroffen.  Sehr  unfein,  aber  sehr  zum  Zwecke  führend,
war  es,  dass  er  nicht  anstand,  auch  des  Geredes  Erwähnung  zu
thun,  das  Erasmus  als  besiegt  hinstellte,  als  einen,  der  gar  nichts
dagegen  thun  könne,  der  ganz  still  und  stumm  geworden  sei.
Und  so  recht  offenherzig  zeigt  sich  Georg,  wenn  er  gleich  darauf
ausruft:  ,Uebrigens  kommt  nun  der  Hyperaspistes  heraus,  in
dem  Du  alle  jene  Schwätzer  widerlegst'.  Alle  hoffen,  dass  er
nun  doch,  obwohl  er  so  lange  wie  Fabius  gezaudert,  endlich
siegen  werde.  Die  Lutheraner  haben  sich  gewiss  schon  verschossen, ­
  während  er  den  Bogen  noch  voll  hätte.  —  Der  Herzog
versprach,  dafür  Sorge  zu  tragen,  dass  der  Hyperaspistes  ins
Deutsche  übersetzt  werde,  damit  er  von  dem  Hasse  der  Schuster
und  Gerber  nicht  gedrückt  werde,  sondern  Anhänger  gewinne.
Er  hielt  dieses  Versprechen  auch,  und  liess  ihn  1526  durch
Hieronymus  Emser  übersetzen. 2  Zur  Anspornung  sandte  er
dem  Erasmus  einen  Ehrenbecher.  Einige  Tage  später  schrieb
auch  der  Kanzler  Simon  Pistorius  in  ähnlichem  Sinne.  Er  kann
es  kaum  ausdrücken,  welche  Gunst  sich  Erasmus  durch  den
Hyperaspistes  bei  Georg  erworben,  besser  hätte  man  gegen
Luther  gar  nicht  schreiben  können.  Georg  könne  sich  an  dem
Werke  gar  nicht  sattlesen,  damit  habe  sich  Erasmus  von
1  Erasmus’Verhalten  ist  gut  geschildert  in  Hess  Erasmus  von  Roterdam.
Zürich  1790.  II.  225.
2  Unter  dem  Titel  Schirm-  und  Schutzbüchlein  der  Diatribe  wider  Martin
Luther’s  kneehtlichen  Willen  durch  Erasmum  von  Roterdam  in  Teutsch
gebracht  durch  Hier.  Emser.  Gedruckt  zu  Leyptzik.
            
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