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Hora w i t z.
(unser Stück Nr. IX) beschäftigt sieb im Eingänge mit der
Bemerkung des Erasmus, auch er, der Herzog, sei anfänglich
Luther gewogen gewesen. Er läugnet diess auch nicht, er
habe eine Verbesserung von ihm erwartet, aber leider bald
gesehen, dass er nur hussitische Lehren wieder an’s Licht
fördere. Gegen ihn zu kämpfen sei die Pflicht eines Jeden, ob
er Theolog sei oder nicht, bemerkt der Herzog mit sehr verständlichem
Seitenblicke auf Erasmus’ letzten Brief. Uebrigens
möge er sich nicht an die Verläumdungen der Theologen
kehren, sondern auf Jene losgehen. Geschimpft werde jetzt
gegen Jeden, gegen den Papst, den Kaiser, ja gegen ihn, den
Saul unter den Propheten. Und um seinen Eifer mehr zu
schärfen, erinnert er ihn an die Schmähungen Luther’s gegen
den Papst, den Kaiser und andere Fürsten, sucht sein Schreiben
Schritt für Schritt zu widerlegen, stellt ihm vor, wie er sich
schon als Theologe erwiesen. Er werde wie David den prahlerischen
Goliath (Luther) fällen. Ein besonders wirksames Argument
musste für den überlegenden Gelehrten die Aeusserung
des Herzogs sein, er sei davon überzeugt, Erasmus wäre der
bekannt, dieser Brief aber sieht mit seinem frischen Unwillen, mit
seinem genauen Citat. aus einem so fernliegenden Schreiben so aus, als
ob er die unmittelbare Antwort auf Georgs Brief vom Mai 1524 wäre,
in dem dieser Fürst sieb in so heftigen Aeusserungen erging. Auch die
vielen Entschuldigungen, dass er gegen Luther nicht der rechte Mann
sei, damit nur seinen Feinden diene u. s. w. sprechen dafür, als ob er
diesen Brief vor der Publication der Schrift de libero arbitrio geschrieben.
Freilich kommt darin die Hinweisung auf diese Schrift vor, es heisst
aber collatio de 1. a. Collatio heisst allerdings auch Zusammenstellung,
und es könnte also ein erster Entwurf damit gemeint sein, der bei den
Gönnern eirculirte. Dieser Annahme widerspricht aber völlig der Satz:
Veniunt a multis epistolae, huic meo labori gratulantes. Sunt qui fatentur
sese hoc libello lecto mutasse ueterem sententiam. Seribunt etiam Wittenbergae
aequissimis animis exceptum. (Citat aus dem Briefe Melanchthon’s
vom 30. September 1524!) Hic tarnen fremunt. Quidam in singulis concionibus
aliquid iaculantur in eum libellum. Dass die Erregung über
jene Stelle so lebendig, die Stelle aber so genau mitgetheilt ist, erklärt
sich unschwer, aus der Gepflogenheit des Erasmus, sich alle Briefe sorgfältig
aufzuheben. Er las ihn eben nochmals vor der Beantwortung durch.
Uebrigens spricht Erasmus von zwei Briefen des Herzogs. Es entfällt
also jeder Grund an der richtigen Datirung dieses Schreibens zu
zweifeln.