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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

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Hora  w  i  t  z.

(unser  Stück  Nr.  IX)  beschäftigt  sieb  im  Eingänge  mit  der
Bemerkung  des  Erasmus,  auch  er,  der  Herzog,  sei  anfänglich
Luther  gewogen  gewesen.  Er  läugnet  diess  auch  nicht,  er
habe  eine  Verbesserung  von  ihm  erwartet,  aber  leider  bald
gesehen,  dass  er  nur  hussitische  Lehren  wieder  an’s  Licht
fördere.  Gegen  ihn  zu  kämpfen  sei  die  Pflicht  eines  Jeden,  ob
er  Theolog  sei  oder  nicht,  bemerkt  der  Herzog  mit  sehr  verständlichem ­
  Seitenblicke  auf  Erasmus’  letzten  Brief.  Uebrigens
möge  er  sich  nicht  an  die  Verläumdungen  der  Theologen
kehren,  sondern  auf  Jene  losgehen.  Geschimpft  werde  jetzt
gegen  Jeden,  gegen  den  Papst,  den  Kaiser,  ja  gegen  ihn,  den
Saul  unter  den  Propheten.  Und  um  seinen  Eifer  mehr  zu
schärfen,  erinnert  er  ihn  an  die  Schmähungen  Luther’s  gegen
den  Papst,  den  Kaiser  und  andere  Fürsten,  sucht  sein  Schreiben
Schritt  für  Schritt  zu  widerlegen,  stellt  ihm  vor,  wie  er  sich
schon  als  Theologe  erwiesen.  Er  werde  wie  David  den  prahlerischen ­
  Goliath  (Luther)  fällen.  Ein  besonders  wirksames  Argument ­
  musste  für  den  überlegenden  Gelehrten  die  Aeusserung
des  Herzogs  sein,  er  sei  davon  überzeugt,  Erasmus  wäre  der

bekannt,  dieser  Brief  aber  sieht  mit  seinem  frischen  Unwillen,  mit
seinem  genauen  Citat.  aus  einem  so  fernliegenden  Schreiben  so  aus,  als
ob  er  die  unmittelbare  Antwort  auf  Georgs  Brief  vom  Mai  1524  wäre,
in  dem  dieser  Fürst  sieb  in  so  heftigen  Aeusserungen  erging.  Auch  die
vielen  Entschuldigungen,  dass  er  gegen  Luther  nicht  der  rechte  Mann
sei,  damit  nur  seinen  Feinden  diene  u.  s.  w.  sprechen  dafür,  als  ob  er
diesen  Brief  vor  der  Publication  der  Schrift  de  libero  arbitrio  geschrieben.
Freilich  kommt  darin  die  Hinweisung  auf  diese  Schrift  vor,  es  heisst
aber  collatio  de  1.  a.  Collatio  heisst  allerdings  auch  Zusammenstellung,
und  es  könnte  also  ein  erster  Entwurf  damit  gemeint  sein,  der  bei  den
Gönnern  eirculirte.  Dieser  Annahme  widerspricht  aber  völlig  der  Satz:
Veniunt  a  multis  epistolae,  huic  meo  labori  gratulantes.  Sunt  qui  fatentur
sese  hoc  libello  lecto  mutasse  ueterem  sententiam.  Seribunt  etiam  Wittenbergae
  aequissimis  animis  exceptum.  (Citat  aus  dem  Briefe  Melanchthon’s
vom  30.  September  1524!)  Hic  tarnen  fremunt.  Quidam  in  singulis  concionibus
  aliquid  iaculantur  in  eum  libellum.  Dass  die  Erregung  über
jene  Stelle  so  lebendig,  die  Stelle  aber  so  genau  mitgetheilt  ist,  erklärt
sich  unschwer,  aus  der  Gepflogenheit  des  Erasmus,  sich  alle  Briefe  sorgfältig ­
  aufzuheben.  Er  las  ihn  eben  nochmals  vor  der  Beantwortung  durch.
Uebrigens  spricht  Erasmus  von  zwei  Briefen  des  Herzogs.  Es  entfällt
also  jeder  Grund  an  der  richtigen  Datirung  dieses  Schreibens  zu
zweifeln.
            
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