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Horawitz.
äussert er sich über Luther und die Verhältnisse. Niemand,
meint er, schade Luther mehr, als die, welche die eifrigsten
Lutheraner sein wollten. Dabei versichert er freilich: ,Non
defuturus sum Euangelico negotiof Gegen Melanchthon zeigt
er die grösste Achtung, er nennt ihn für die Wissenschaft geboren,
betheuert, dass er der evangelischen Lehre nie gezürnt,
wohl aber ärgere ihn Vieles in Luther’s Lehre und an Luther
selbst, der mit so unpassenden Bezeichnungen um sich werfe,
wie ,Pontifex antichristes' u. dgl., der es offen ausspreche,
,nullum esse liberum arbitrium, sed omnia necessitate geri‘,
hier sehe er Beispiele evangelischer Gesinnung, vor denen er
erschrecke. Man dürfe freilich nicht dem platonischen Staatstraume
folgen, dass die Massen nicht ohne Lügen regiert werden
könnten, aber es fromme nichts, alle Wahrheit auf jede
Weise dem Volke zu verrathen! ■— Er wisse recht wohl,
dass Luther über ihn zu Freunden gar nicht in dem Sinne
schreibe, wie Melanchthon es darstelle. Melanchthon wolle
Luther zu massvoller Antwort veranlassen, er solle ihn lieber
nur nach seiner Natur schreiben lassen, denn, wenn er so sich
selbst unähnlich erwidere, werde man an ein Einverständniss
glauben. Das Eine verspreche er zum Schlüsse, dass er niemals
wissentlich gegen das Evangelium die Waffen ergreifen
werde. 1 Schrieb hier Erasmus ziemlich ärgerlich gegen Luther,
so lobt er Herzog Georg gegenüber zwei Tage nach jenem
Briefe denselben reichlich. Bei seinem ersten Auftreten hätten
dem Luther ja Alle zugejubelt, wie er glaube, auch der Herzog,
ja sogar Cardinäle und Theologen; habe er ja doch eine gute
Sache gegen die völlig verdorbenen Sitten in Kirche und
Schule vertreten! Dass es so weit gekommen, sei die Schuld
der Mönche und der Heftigkeit Luther’s, mit dem er keine
Verbindung habe. Aber er sei auch nicht der richtige Mann,
um Luther zu unterdrücken. Was wäre denn bei einem theologischen
Zank für ihn zu gewinnen? Würde er gegen Luther
nicht so toben, wie sie von Hass erfüllt seien, so werde es ihnen
nicht genügen. Und wem würde er dadurch dienen? Seinen
Feinden und denen der Wissenschaft. Was würde Erasmus
dann werden, als deren Henkersknecht! Feinde werde
1 Corpus Reform. I. 688.