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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

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Horawitz.

die  Theologen  (ganz  allgemein  gehalten!)  und  Hasser  der
schönen  Wissenschaften  Alles  gethan  hätten,  um  ihn  zu  verderben, ­
  ihn,  der  die  ganze  Gegend  von  Löwen  mit  dem  Studium
der  Sprachen  und  schönen  Wissenschaften  vergiftet  habe,  ihn,
der,  wie  sie  die  Regenten  glauben  machen  wollen,  mit  Luther
verschworen  sei.  Die  Freunde  nun,  die  ihn  in  Gefahr  wähnten,
hätten  dem  Papste  und  den  Fürsten  die  Hoffnung  gemacht
dass  er  etwas  gegen  Luther  herausgeben  werde.  Er  selbst
habe  diese  Hoffnung  nach  Umständen  genährt.  Unterdessen
habe  man  ihn  durch  Schriften  gereizt,  so  sei  denn  für  ihn
nichts  übrig  geblieben,  als  herauszugeben,  was  er  geschrieben,
wenn  er  nicht  die  Fürsten  zu  Feinden  haben  wollte.  Mit
grossem  Eifer  und  frischer  Lebendigkeit  schildert  er  alle  die
Nothwendigkeiten,  in  die  er  versetzt  worden  sei,  und  fügt  gewissermaassen
  entschuldigend  hinzu:  .  .  .  ipse  rem  tractaui
modestissime  .  .
Aber  er  ist  auch  auf  Melanchthon’s  Einwendung  gefasst,
dass  er  ja  den  Muth  der  Tyrannen  zu  neuem  Wüthen  mehre.
Niemand,  erwidert  er,  habe  eifriger,  Niemand  freimüthiger  von
der  Grausamkeit  abgemahnt  als  er.  Ja  er  geht  so  weit,  in  die
Worte  auszubrechen:  Et  si  papisticae  sectae  (das  Wort  secta
wendet  er  sonst  auf  die  Lutheraner  an)  essem  addictissimus,
tarnen  disuaderem  saeuitiam  .  .  denn  das  mache  nur  Märtyrer,
wie  schon  Kaiser  Julian  erkannte  und  die  Vorgänge  zu
Brüssel  in  neuester  Zeit  bewiesen  hätten.  —  Zum  Schlüsse  des
interessanten  Briefes  lässt  er  durchschimmern,  das  Cardinal
Campeggio  den  Melanchthon  gerne  anderswo  sehe,  dass  auch
er  ihn  frei  von  jenen  Streitigkeiten  erblicken  möchte,  aber
dass  er  daran  verzweifle,  dass  Melanchthon  sich  einem  Widerruf ­
  unterziehen  würde.  —  In  demselben  Geiste,  in  dem  dieser
Brief  geschrieben,  nehmen  auch  die  Wittenberger  die  Schrift
,de  libero  arbitrio'  auf,  ich  sehe  nicht,  dass  sie  aufgebracht
gewesen  wären,  im  Gegentheile  Melanchthon  schreibt  an  Spalatin
von  Erasmus  ,Videtur  non  contumeliose  admodum  nos  tractasse' 1
und  schon  am  30.  September  in  seiner  Antwort  räumt  er  dem
Erasmus  sehr  viel  ein,  ,die,  welche  seine  Würde  anldaffen,
scheinen  ihm  Humanität  und  Religion  vergessen  zu  haben',  er

Corpus  Refonnatorum  1.  673.
            
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