Erasmiana. I.
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nicht aber bloss geändert; wenn man schon nachgeben müsse,
wolle er es lieber den Päpsten und Bischöfen, wie sie nun
einmal sind, als jenen schmutzigen Phalarissen, die noch unerträglicher
sind als Jene. 1
Auch dieser Brief athmet noch eine grosse Unsicherheit;
die Streitschrift war erschienen, Erasmus aber fühlt sich beinahe
zu einer Apologie getrieben, dass er endlich gesprochen. Und
diess Georg gegenüber, der in der Abfassung und Veröffentlichung
jener Schrift ja nur ein löbliches Thun sehen musste.
Eine gewisse Bangigkeit mag aber die Seele Erasmus erfüllt
haben, wenn er an die Wittenberger dachte. Was würden sie
dazu sagen? In einer solchen psychologisch sehr erklärlichen
Stimmung schrieb Erasmus zwei Tage nach jenem Briefe an
Herzog Georg ein ausführliches Schreiben an Melanchthon. 2
Dieser Brief beginnt sehr artig: Erasmus hätte sich gefreut,
Melanchthon bei sich zu sehen, er hätte gewiss die Nachrede,
die daraus entstanden wäre, verachtet. Wäre Wittenberg nicht
so weit — er würde hinkommen, um mit Luther und ihm verkehren
zu können (!). Er spricht es auch ganz offen aus, dass
er dem Werke der Erneuerung der evangelischen Freiheit
hold gewesen, zählt ausführlich und mit sichtlichem Behagen
seine irenistischen Strebungen, sowie mit ziemlicher Absichtlichkeit
auch die Versuche gewisser Leute auf, ihn in Missgunst
zu bringen, ebenso seine vermittelnde Thätigkeit beim
Papste und den Fürsten, 3 bemerkt aber dabei zugleich, er
wisse nicht, wozu man die Päpste absetzen solle, um ihre
schäbigen Nachahmer zu ertragen, wie man den Uneinigen zu
Liebe von den orthodoxen Vätern und Concilien abfallen könne.
Erasmus nimmt dabei die Evangelischen ziemlich scharf mit,
namentlich den Alberus und beginnt dann zum Schlüsse eine
Erklärung, warum er sein Buch ,de libero arbitrio' herausgegeben,
indem er den Melanchthon geradezu apostrophirt:
,Miraberis cur emiserim libellum de libero arbitrio'. — Er
schildert nun die zahllosen Angriffe seiner Feinde und wie
1 Opera III. 812.
2 Corpus Reformatorum I. 667.
3 Clamores Theologorura quoad potui compescui, principum saeuitiam cohibui,
quod et hodie facio.