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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

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Horawitz.

geht  so  weit,  zu  versichern,  dass  er  nicht  bloss  selbst  sich  von
ihm  ferngehalten,  sondern  auch  die  Anderen  vor  ihm  gewarnt
hätte.  Für  sein  Stillschweigen  führt  er  den  Hilarius  ins  Treffen,
der  gegen  die  Arianer  noch  länger  als  er  geschwiegen.  In
seinen  Werken  habe  er  übrigens  schon  oft  gesagt,  was  Luther’s
Anschauungen  widerspreche.  —  Man  sieht,  wie  sehr  er  Alles
aufführt,  um  sein  Verhalten  zu  rechtfertigen  und  sich  dem  ihm
so  lästigen  offenen  Auftreten  gegen  Luther  zu  entziehen.  Voll
Selbstgefühl  und  Erbitterung  äussert  er  schliesslich  —  nachdem
er  schon  früher  schneidend  bemerkt,  dass  dort,  wo  man  mit
Confiscationen  u.  dgl.  arbeite,  man  seiner  Hilfe  nicht  bedürfe:
Ich  bin  doch  nicht  geboren  und  eingeübt  für  solche  Gladiatorenkämpfe! ­
  Er  endet  mit  der  Versicherung,  Alles,  was  in
seinen  Kräften  läge,  für  die  Kirche  thun  und  Luther’s  Partei
auch  fürderhin  fern  bleiben  zu  wollen.  Endlich  aber  entschloss ­
  er  sich  doch,  in  der  bekannten  Schrift  ,de  libero  arbitrio
 1  gegen  Luther  aufzutreten  und  dieselbe  dem  Herzog  zu
senden.  Er  schrieb  demselben  unter  dem  4.  September  1524
und  entschuldigte  sich,  dass  er  bisher  nicht  dazu  gekommen,
gegen  Luther  zu  schreiben;  Alter  und  Begabung  eigneten  ihn
nicht  zu  solchem  Geschäfte,  ein  eigenthtimlicher  Zug  seiner
Natur  lasse  ihn  vor  dergleichen  Gladiatorenkämpfen  zurückschaudern. ­
  Bisher  habe  er  Luther’s  Lehre  als  ein  nothwendiges
Uebel  betrachtet,  durch  das  in  den  argen  Verderb  der  Kirche
Gesundheit  gebracht  werde,  so  bitter  auch  das  Heilmittel  sei.
Da  er  aber  nunmehr  vernommen,  man  halte  sein  Schweigen
für  eine  Verabredung  mit  Luther,  mit  dem  er  keinen  geheimen
Bund  habe,  und  er  unter  dem  Namen  des  Evangeliums  ein
neues  Völklein  emporwachsen  gesehen:  frech,  unzüchtig,  unerträglich, ­
  kurz  so,  dass  es  Luther  auch  nicht  ertragen  könne,
den  es  übrigens  gerade  so  verachte,  wie  die  Bischöfe  und  die
Fürsten,  so  trete  er  in  die  Scene.  Ob  es  nützen  werde,  wisse
er  nicht,  er  wünsche  nur,  dass  es  dem  christlichen  Gemeinwesen ­
  fromme.  —  Er  lässt  die  Bemerkung  fallen,  des  Königs
von  England  Brief  sei  es  vornehmlich  gewesen,  der  ihn  anspornte, ­
  mehr  noch  freilich  die  ,improbitas  rabularum',  die,
wenn  sie  nicht  in  Schranken  gehalten  werden,  das  Evangelium
und  zugleich  die  Wissenschaft  verderben  würden.  Er  habe
gehofft,  die  Tyrannei  der  Pharisäer  werde  gestürzt  werden,
            
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