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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

Erasraiana.  I.

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der  Unbescholtenheit  der  Sitten,  theologischen  Gelehrsamkeit
und  klugen  Mässigung  Stadion’s  dem  er  nur  noch  zwei  Bischöfe
an  die  Seite  stellt. 1  1530  im  März  war  Stadion  sogar  zu
ihm  gekommen  und  aus  keiner  anderen  Ursache  nach  Freiburg
gereist,  als  um  ihn  zu  sehen  ,uidelicet  hominis  umbrand  und
hatte  reiche  Geschenke  mitgebracht. 2  Und  noch  im  November
1533  rühmt  er  Vergara  gegenüber  den  Bischof  als  einen  Mann,
dem  an  Adel,  Klugheit,  Ueberlegung,  Frömmigkeit  und  Wohlthätigkeit
  in  diesen  Gegenden  kaum  Einer  gleichkomme. 3
Weniger  erfreulich  als  diese  Beziehungen  waren  die  des
Erasmus  zu  Herzog  Georg  von  Sachsen, 4  zu  deren  Betrachtung ­
  ich  mich  nun  wende.

IV.
Schon  frühzeitig  begann  die  Beziehung  des  für  die  Wissenschaft ­
  empfänglichen  Herzog  Georg  zu  Erasmus.  Der  Brief,
in  dem  er  mit  gewinnender  Naivität  seine  Sehnsucht  ausspricht, ­
  ihn  kennen  zu  lernen,  ihn,  der  alle  Deutschen  nicht
bloss,  sondern  alle  Nationen  der  Erde  an  Gelehrsamkeit  übertreffe, ­
  ihn,  ,das  Licht  dieser  Welt',  dürfte  den  ersten  Anlass
zu  den  Beziehungen  gegeben  haben, 5  die  nun  in  einer  langen
Reihe  von  Briefen  und  Sendungen  ihren  Ausdruck  fanden.  Um
das  Jahr  1518  widmete  Erasmus  seinen  Sueton  Herzog  Georg
gemeinsam  mit  Kurfürst  Friedrich  dem  Weisen;  er  sagt,  er
kenne  Georg  ,e  propinquo  dum  Frisiam  nobis  finitimam  administrares'.
 6  ,Als  Jüngling',  schreibt  er  dann  (1520)  an  den
Herzog,  ,habe  er  in  den  Niederlanden  schon  von  dem  Ruhme
seines  Vaters  gehört,  in  England  von  ihm  vernommen,  was

1  Opera  Erasmi  III.  1192.
2  Ibid.  1285.
3  Ibid.  1481.
4  Eine  Ehrenrettung  Herzog  Georgs  versuchte  in  manchen  Stücken  mit
Glück  Adolf  Moriz  Schulze  Georg  und  Luther.  Leipzig  1834,  ein  Buch,
dessen  Benützung  ich  der  Leipziger  Universitätsbibliothek  verdanke.
5  Cf.  die  Beilage.
6  Erasmus  schrieb  die  Dedicationsepistel  aus  Antwerpen,  Georg  rückte
1514  in'  Friesland  ein.
            
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