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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

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Horawitz.

Die  anbei  mitgetheilten  Briefe  Stadion’s  an  Erasmus  vom
10.  April  1531  und  12.  Januar  1532  geben  viele  Nachrichten
über  die  politischen  Verhältnisse,  die  Wahl  König  Ferdinands,
die  Türkengefahr  und  das  Fortschreiten  der  lutherischen  Anschauungen ­
  in  Augsburg,  über  Gerüchte  von  Oecolampadius.
Besonders  interessant  aber  ist  die  Aufforderung  (a.  a.  1532)
des  Bischofs,  die  Sorbonnisten  für  ihre  Angriffe  auf  Erasmus
einmal  tüchtig  abzufertigen,  da  er  nicht  einsehe,  was  sie  denn
Gutes  geleistet,  sie  hätten  gewiss  wieder  nichts  als  conclusiones,
illationes  und  corolaria  geschrieben.  Noch  entschiedener  äussert
sich  Stadion  in  dem  werthvollen  Briefe  vom  4.  April  1533,  in
dem  er  einige  theologische  Fragen  bespricht,  die  radicalen
Bewegungen  der  Augsburger  gegen  Messe  und  Priesterschaft
schildert,  die  Versprechungen  des  Papstes  und  Kaisers  hinsichtlich ­
  eines  Nationalconcils  aber  leere  Worte  nennt.  In  diesem
Schreiben  spricht  sich  Stadion  für  die  Zulassung  der  deutschen
Sprache  in  der  Kirche  aus,  weil  dadurch  die  Andacht  der  Hörer
viel  inniger  und  grösser  würde,  plaidirt  für  die  Aufhebung
des  Coelibates,  die  er  sich  sehr  leicht  denkt,  und  legt  Erasmus
seine  Bedenken  über  die  Irrthümer  Caietans  vor.  Er  dankt
dem  Gelehrten  für  die  Uebersendung  der  neuen  Homilie  des
Chrysostomus,  die  er  lesen  werde,  um  dann  sein  Urtheil  zu
äussern.  ,Doch  wozu  ein  Urtheil!',  unterbricht  er  sich  selbst,
,da  ja  nichts  von  Dir  ausgeht,  was  nicht  in  jeder  Hinsicht
vollendet  wäre.  Diess  werden  alle  Gelehrten  bestätigen  mit
Ausnahme  weniger  tollköpfiger  (cerebrosi)  Theologen  und
Mönche,  die  ja  damit  nur  die  eigene  Dummheit  entlarven.'
Die  Freundschaft  mit  Stadion  blieb  auch  fortan  bestehen.
Der  letzte  Brief  des  Bischofs,  der  bekannt  ist,  trägt  das  Datum:
8.  August  1533  1  und  ist  ein  Begleitschreiben  für  zwei  Pferde,
die  der  liberale  Fürst  dem  Erasmus  zum  Aussuchen  eines
sanft  gehenden  Thieres  sendet.  Dabei  meldet  er  Politisches,
fei'ners  dass  die  Augsburger  'sich  mehr  zu  Zwingli  als  zu  Luther
neigen  und  wundert  sich  über  die  Blindheit  der  Sorbonnisten
und  die  ,Beddaische  Tragödie'.  —  Erasmus  aber  wusste  von
Stadion  stets  nur  Rühmliches  zu  sagen;  um  1529  schreibt  er
z.  B.  an  Konrad  von  Dingen,  den  Bischof  von  Würzburg  von

1  Spicilegium  III.  22.
            
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