Erasraiana, I.
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zeige ja nicht bloss durch seine Gelehrsamkeit (!), als auch
durch seine Lebensweise seinen Glauben, während Jene durch
die letztere und ihren Ruf das Gegentheil böten. — Angenehmer
als diese Hiebe gegen die uiri obscuri musste dem
Erasmus dieses Ehrenzeugniss eines so bedeutenden Kirchenfürsten
gerade in jenen Tagen sein, in denen er durch die
vielverbreiteten Aeusserungen des Alberto Fürsten von Carpi,
welcher ihn als den Urheber der Luther’schen Bewegungen
bezeichnet hatte, in die höchste Erbitterung und Besorgniss
versetzt ward. Erasmus verfehlte auch nicht, dafür seinen
wärmsten Dank zu sagen, 1 von seinen Arbeiten 2 und Gesundheitverhältnissen
3 zu berichten, wobei er es nicht unterlässt,
auf seine finanziellen Einbussen hinzuweisen, die ihn bald in
evangelische Armuth bringen werden. In einem Schreiben vom
11. August 1530 theilt Erasmus dem Bischöfe ausser Nachrichten
über seine Studien — die Yoi'rede zum Chi'ysostomxis
habe er bereits fertig 1 — über Favre de Estaples und die
Hinrichtung des von ihm in wixi-digen Worten gerühmten
Berquin 5 auch mit, dass er die drei Bedingxxngen, welche der
Bischof zur Einigung vorgeschlagen, vollständig durchführbar
finde, aber dass er nicht daran glauben könne, dass die Pai-teihäupter
damit zufrieden sein würden. Des Bischofs Erhabenheit
sei freilich ausser dem Bereiche der heissenden Reptilien, aber
die Lexxte seien ja so bösartig, dass sie Alles versuchten. Mit
einer aristophanischen Reminiscenz setzt er hinzu: ein Mistkäfer
sei ja auch gegen Himmel geflogen.
1 Opera Erasmi III. 1128.
2 Er arbeitete damals am Augustinus und der 1529 bei Froben erschienenen
Ausgabe der Werke des L. A. Seneca, die auf dem Titel besagte: ex
fide ueterum codicum ... sic emendata ut merito priorem edit. ipso
absente peractam nolit haberi pro sua.
3 Opera III. 1292.
4 Wurde 1530 lierausgegeben und war dem Bischöfe Stadion gewidmet.
Cf. die Dedicationsepistel, in der Erasmus, nachdem er seine bisherigen
Leistungen auf dem Gebiete der patristischen Literatur aufzählt, Chrysostomus
hinsichtlich der uitae integritas, diuinarum literarum amor, indicii
rectitudo, üeritatis libera professio und Andere mit Stadion vergleicht
und über den Untergang der Frömmigkeit bei den Geistlichen klagt.
5 Cf. über Favre und Louis Berquin, den Uebersetzer der Erasmischen
Schriften, besonders die werthvolle Schrift von Graf: Faber Stapulensis.