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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

Erasmiana.  I.

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zu  sein.  Erasmus  spricht  schon  um  1528  1  in  einem  Briefe  an
den  Bischof  viel  mehr  Befürchtungen  vor  der  Entwickelung
der  reformatorischen  Bewegung  aus,  er  meint,  es  werde  wie
bei  einer  Krankheit  gehen  und  endlich  Alles  zu  spät  sein.
Freilich  liegt  nach  seiner  Ansicht  auch  ein  grosser  Fehler  in
den  Mönchen  und  Theologen,  die  durch  ihr  Geschrei  und  ihre
Plumpheit  die  Sache  noch  schlimmer  machen  und  Leute  zur
Irrlehre  treiben,  die  sich  sonst  nie  derselben  angeschlossen
hätten,  sie  verdammen  auch  das  aus  Hass  gegen  Luther,  was
fromm  und  nicht  erfunden,  sondern  von  Christus  und  den
Aposteln  überliefert  wurde.  Erasmus  liess  dabei  merken,  dass
auch  er  durch  solchen  Unverstand  mehr  und  mehr  auf  die
Seite  der  Neuerer  getrieben  werde.  ,Was  thaten  sie  doch
und  thun  sie  stets,  um  mich  durch  Unbilden  Abgematteten
  ins  Lager  der  Lutheraner  zu  stossenb  Ihn
bezeichne  man  als  den  wahren  Urheber  des  ganzen  Sturmes,
solche  Aeusserungen  führe  er  aber  auf  Hieronymus  Aleander
zurück,  einem  Menschen,  von  dem  er  nichts  Anderes  sagen
wolle,  als  dass  er  nicht  sehr  übertrieben  wahrheitsliebend  sei.
Und  doch  könne  Niemand  eine  Ketzerei  aus  seinen  Schriften
nachweisen,  obwohl  ganze  Heerden  mit  aller  Mühe  darnach
suchen,  es  aber  nur  zu  Verdachtsäusserungen  und  Lügen
bringen.  Freilich  geschieht  es  ihnen  dabei  oft,  dass  sie  das,
an  dem  sie  herumknuspern,  nicht  einmal  verstehen,  so  verurtheile
  man  ihn  als  Ketzer,  weil  man  weder  Latein  noch
Griechisch  verstände. 2  Weder  der  Kaiser,  noch  der  Bischof
von  Toledo  könne  jene  Menschen  bändigen.  Er  wolle  übrigens
lieber  alle  seine  Lucubrationen  ausgetilgt  sehen,  als  wissen,
dass  man  aus  ihnen  Gottlosigkeit  schöpfe.  —  Stadion  hatte
Erasmus  schon  früher  eingeladen,  der  Gelehrte  entschuldigte
sich  aber  —  wie  gewöhnlich  —  mit  seiner  so  sehr  angegriffenen
Gesundheit,  die  ihm  auch  unmöglich  machte,  die  Einladungen
des  Kaisers,  König  Ferdinands,  der  Margaretha  von  Parma,
der  Könige  von  England,  Frankreich  und  Polen  anzunehmen.
Die  Antwort  auf  dieses  Schreiben  gibt  die  bisher  unbekannte

'  Cf.  Erasmi  Opera  et  Clericus  III.  1094.
2  Er  erzählt  als  Beleg  eine  köstliche  Geschichte  von  einem  Dominicaner
und  dem  Madrider  Arzt  Xuarez.
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