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der katholischen Kirche geführt — er ist, wie Ranke so
treffend bemerkt, der erste moderne Oppositionsschriftsteller!
Und diesem Manne mit dem spöttischen Lächeln auf den
Lippen, dem rationalistischen Philologen kamen gewiss manche
Stunden, in denen er die tiefe Kluft zwischen seiner Auffassung
und den Urtlieilen seiner hohen kirchlichen Gönner
wahrnahm. Aber noch ersichtlicher war ihm doch bei aller
geistigen Gemeinschaft, hei aller Gleichartigkeit der Grundanschauungen
mit den Reformatoren, dass er auf ihrem Wege
öffentlich nicht mitschreiten könne, ohne nicht argen Stössen
und Kämpfen ausgesetzt zu werden. Man vergesse doch nicht:
Erasmus war zur Zeit des beginnenden Geisteskampfes kein
junger Mann mehr, er zählte schon über fünfzig Jahre, das
ist nicht mehr die Zeit, in der man Kämpfe um Sein und
Nichtsein unternimmt, in der man den ganzen Erfolg eines
mühevollen, arbeitsreichen Lebens auf eine Karte setzt! Am
wenigsten ein Gelehrter, der liebe Gewohnheiten, freundschaftliche
Beziehungen, ja die gesammte Grundlage seiner wirthschaftlichen
und socialen Stellung hätte aufgeben müssen, um
schliesslich in seiner vermittelnden Thätigkeit von den Vorwärtsstürmenden
beargwöhnt, ja zurückgestossen zu werden!
Dazu kamen Luther’s so sehr populärer aber Erasmus um so
weniger zusagender, derber und kräftiger Ton, die Heftigkeit und
Zuversichtlichkeit seiner Aussprüche, die Uebertreibungen seiner
Freunde und Schüler. Es ist nicht zu läugnen, dass der Vater
des deutschen Humanismus dem Vater der deutschen Reformation
anfänglich sehr günstig gesinnt war, dass aber nach
und nach eine immer grössere Besorgniss in der Seele des
Ersteren platzgriff, die völlige Lostrennung von der gewohnten
Ordnung würde nicht bloss ,Scandale‘, sondern sogar eine
völlige ,Tragödie' herbeiführen, die den Untergang der von
Erasmus selbst so herrlich gepflegten aber kaum erst begonnenen
Studien nach sich ziehen müsste. Und wie sehr
schienen die Gräuel des Bauernkrieges, der Münzerschen und
der Wiedertäufer-Unruhen diesen schlimmen Ahnungen Recht
zu geben! Waren so einerseits Gründe genug vorhanden, um
den Gelehrten von dem offenen Anschlüsse an die Reformation
zurückzuhalten, so konnte andererseits auch nicht erwartet
werden, dass er sich entschieden und öffentlich gegen die