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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

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II  o  r  a  w  i  t  /..

zu  finden  —  die  einzige  Ausbeute  gewährten  mir  —  vor  Allem
Dresden,  Stuttgart,  Gotha,  Ottobeuren  und  endlich  die  überreichen ­
  handschriftlichen  Schätze  der  —  Wiener  Hofbibliothek.
Sorgfältig  prüfte  ich  die  gefundenen  Briefe;  nicht  zufrieden,
wenn  sie  sich  nicht  in  den  bekannten  Ausgaben  der  Briefe
Erasmus’  fanden,  forschte  ich,  auch  durch  Herrn  Director  Dr.
Förstemann,  Herrn  Pastor  Dr.  Seidemann  in  Dresden  und
dem  Director  der  Leipziger  Universitätsbibliothek  Herrn  Prof.
Dr.  Krehl  unterstützt  in  den  äusserst  werthvollen,  fast  unbekannten ­
  jSpicilegia',  der  Leipziger  Universität,  in  Seidemann’s
verdienstvollen  Publicationen  und  einer  grossen  Anzahl  von
sächsischen  Specialhistorien  und  Urkundensammlungen  nach
bereits  gedruckten  Briefen  des  Erasmus.  Einige  meiner  Abschriften ­
  erwiesen  sich  als  bereits  gedruckt,  die  Anderen  hier
Mitgetheilten  sind  nach  meiner  sorgfältigen  Untersuchung  bisher
völlig  unbekannt  und  bieten  für  die  Erkenntnis  des  Vaters  des
europäischen  Humanismus  so  wichtige  Beiträge,  dass  ich  es
für  nicht  unpassend  erachtete,  dieselben  nebst  einleitenden  Bemerkungen ­
  hier  mitzutheilen. 1

H.
In  ihrem  innersten  Kern  sind  fast  alle  hier  mitgetheilten
Briefe  verknüpft,  nämlich  in  der  Stellung  des  Erasmus  zur
grössten  Frage  des  Jahrhundertes,  zur  kirchlichen.  Es  ist
über  diese  Seite  in  dem  Leben  des  Gelehrten  so  überaus  viel
geschrieben  worden;  je  nach  der  Parteistellung  hat,  man  in
dieser  Hinsicht  mehr  zu  loben  oder  zu  tadeln  gefunden,  im
Grunde  wird  man  doch  sagen  müssen:  Erasmus  hat  allen  Parteien ­
  missfalleu.  Und  dies  ist  eben  so  natürlich  als  nothwendig!
  Eine  so  feingeistige,  seinem  Jahrhunderte,  ja  selbst

1  Die  Basler  Erasmiana  hat  Wilhelm  Vischer  unter  dem  Titel  ,Erasmiana‘
mit  sehr  werthvoller  Einleitung  versehen  und  als  Programm  zur  Rectoratsfeier
  der  Universität  Basel  daselbst  1876  herausgegeben.  Wenn
meine  einleitenden  Bemerkungen  hie  und  da  sehr  breit  werden  und  Bekanntes ­
  wiederholen,  so  meine  ich  doch,  dass  zum  Verständnisse  der
folgenden  Briefe  dieser  Nachweis  des  Zusammenhanges  nicht  am  unrechten
  Platze  sein  dürfte.
            
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