Emeudutionen zur Nuturalia Historia des Plinius. II.
365
auch das weiter Folgende; denn inde in Italiam quoque transtulit
id genus kann nur von dem Abkömmling der immergrünen
Platane auf Kreta verstanden werden, weil die gewöhnliche
Platane längst in Italien eingebürgert war, wie ausser
Plinius §. 6 ff. die häufige Erwähnung des Baumes bei anderen
Schriftstellern beweist. 1 Zugleich darf schon bei diesen Worten
nach dem ganzen Zusammenhang angenommen werden, dass
der Abkömmling die specifiselic Eigenschaft des Mutterbaunies
gewahrt habe. Und was schon hiernach angenommen werden
darf, wird auf das bestimmteste vorausgesetzt durch die Worte
durantque et in Italia portenta terrarum etc. Das kann nicht
von einer nur geringen Abweichung von der gewöhnlichen
Platane verstanden werden und ebensowenig etwa von der
Grösse, wie bei den §. 9 und 10 beschriebenen Exemplaren.
Denn in fünfundzwanzig Jahren wächst keine Platane zu einem
mächtigen Baume heran. 2
Hiernach ist klar, dass die bisherige Auffassung der Worte
regeneravere vitiimi unrichtig ist, und es fragt sich, ob eine
andere möglich, oder ein Verderbniss anzunehmen sei. Ausgegangen
ist die unrichtige Auffassung offenbar von der Ädversativpartikel
sed und nur wenn diese Partikel ohne Beziehung
auf regeneravere vitium gesetzt sein könnte, würde sie nicht
nothwendig jene unrichtige Auffassung bedingen. An sich
könnte sie das Abbrechen der kleinen Digression von der
fabulositas Graeciae bezeichnen. Doch empfiehlt sich dies
durch nichts. Der Schriftsteller hätte fühlen müssen, wie sehr
dem Missverständnis ausgesetzt seine Rede sei und hätte dem
Vorbeugen müssen, indem er wenigstens statt satae ein Verbum
finitum wählte. Zwar kommt es vor, dass die Haupthandlung
in das Particip zurücktritt, wie z. B. 9, 148 intellectum inesse
Ms apparet, quia, ubi avulsorem sensere, contractae multo difficilias
abstrahuntur. 3 Doch ist eine solche Auffassung in dem
vorliegenden Falle kaum zulässig und wird auch durch die-1
Vgl. Hehn, Culturpflanzen und Hausthiere in ihrem Uebergange aus Asien
nach Griechenland und Italien, S. 256 f.
2 §. 12 wird auch, wie ich sehe, allgemein von einem genus platani folia
numquam dimittens verstanden. Vgl. die Indices zu den Ausgaben.
3 Vgl. Wex zu Tac. Agr. p. 274. Nipperdey Kheiu. Mus. 19; S. 104.