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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

Deutsche  Studien.

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In  einem  Nürnberger  Druck  (,Ein  kurtz  vnd  seer  [  schön
spil,  von  der  |  Gotfürchtigen  vnd  keuschen  |  frawen  SusannaJ
Schluss:  ,Gedruckt  zu  Nürnberg  durch  Kunegund  Hergotin'.)
wird  statt  dessen  gesagt:  ,Nürnberg  es  wider  werden  soF.
Der  Prolog  legt  ferner,  um  es  beiläufig  anzuführen,  ein
Zeugniss  für  die  völlige  Decorationslosigkeit  jener  ältesten
Schulbühnen  ab:
Das  ist  auch  der  sehSne  garten
Inn  dem  die  zween  alten  warten,
Die  Susanna  zu  bezwingen
Es  wolt  jn  doch  nicht  gelingen,
Dieser  gart  ist  gar  hübsch  vnd  schSn
Von  kreutern  vnd  viel  beumen  grün,
Welchen  so  euch  zu  sehen  glust
Gar  scliarff  brillen  jr  haben  must.
Der  Epilog  stellt  in  Aussicht,  den  anderen  Tag  ungefähr
um  halb  drei  würden  die  beiden  alten  Bösewichte  gerichtet
werden:  ,Wo  jhr  sie  nun  wöllet  sehen,  so  kompt  zeitlich  vor
das  radthaus'. 1
Das  Stück  schliesst  nämlich  mit  der  Ueberführung  der
Kläger  durch  Daniel  und  mit  einem  Dankgebete  Susannas.
Es  hat  bei  aller  Kürze  seine  bemerkenswerthen  Vorzüge.  Die
beiden  Alten  führen  sich  mit  einem  Gespräche  ein,  woraus
sich  ergibt,  dass  sie  beide  in  stürmischer  Ehe  leben  und  von
ihren  Frauen  schlecht  behandelt  werden.  Die  Vorliebe  der
Zeit  für  satirische  Schilderung  schlechter  Ehen  geht  mit  dem
Bedürfnisse  nach  einiger  Motivirung  aus  den  Charakteren  Hand
in  Hand.  Dass  die  alten  Verführer  keines  guten  Rufes  gemessen, ­
  wird  dann  wiederholt  hervorgehoben,  wie  anderseits
Joachim  von  vornherein  die  Keuschheit  seiner  Frau  hochpreist.
Seltsam,  dass  er  nachher  gar  nicht  eingreift  und  beinah  völlig
verschwindet;  man  könnte  denken,  der  ganze  erste  Act  sei

1  Die  Stelle  ist  aus  dem  erwähnten  Nürnberger  Druck  angeführt  hei
Herman  Grimm  Essays  (1859)  S.  14Gf.,  wo  nachgewiesen,  dass  Herzog
Heinrich  Julius  wahrscheinlich  dies  alte  Magdeburger  Stück  kannte  und
benutzte,  wo  auch  die  übrigen  deutschen  Susannen  des  sechzehnten
Jahrhunderts  herbeigezogen.  Das  Spiel  der  Wiener  Hs.  ist  in  Keller’s
Fastnac.htsp.  Nachlese  S.  231  und  Germ.  22,  312  gedruckt.  Ueber  Sixt
Birck’s  Susanna  vgl.  A.  D.  Biogr.  2,  (i57:  sie,  ist  besser  als  die  Rebhun’sche,
diese  hat  davon  gelernt,  namentlich  die  Kinderscenen.

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