188
Scherer.
Die Heuptleute vnd Leutenampt
Fehnrich oder wie sie genant
Sie sehen wie sie finden raht
Das ein jeder vollauf! nur hat.
Ihr Beutel füllen sie mit Gelt
Vns aber wird nichts zugestelt
Das sie S. Valtens Kranekheit schendt
Das sie vns führen in solch elendt.
Man sieht, dieser Dichter verträgt Kürzung. Simri stimmt
dem ,guten Compan' bei. Die armen Landsknechte werden in
die grössten Gefahren gestürzt, ,in das bad' geführt, ,auff die
Fleischbanck' gegeben und die Anführer, die vermuthlich bestochen
sind, ,ziehen den Kopf denn aus der Schlingen'. ,Das
sie der Teuffel dafür plag, Das ist der danck, den ich -jlin
sag', meint Sisa; worauf Simri erwidert:
Kan auch dazu nicht lachen Rosen,
Vnd solt sie sehenden all Frantzosen.
Sie wollen daher ,das Kriegen bleiben lan‘, in der Stadt
bleiben, wo jeder unterm Dach im warmen Bett sein Lager
hat. Da ist es besser, als bei Frost, Schnee und Kälte ohne
Kleider und Geld im offenen Feld zu liegen. Da können sie
spazieren gehen und wenn die Wacht verrichtet ist,
Zum Bier oder zum külen Wein
Hin zu dem schönen Elselein,
Darselbst haben wir gute ruh,
Dem Kriegswesen abdancken thue. —
Immerhin ein hübsches kleines Genrebild, wenn auch dem
edlen Verfasser Mars dabei mehr geholfen hat als Ars.
Die ganze Scene ist in der Kürze schon bei Wickram
(Tobias 1551 S. B5' ff.) angelegt, aber ohne dass sich Verwandtschaft
zeigte. Wickram legt den ,Trabanten' nicht blos
Flüche, sondern auch Rohheiten in den Mund; der todgeweihte
Jude, bei ihm Namens Äser, wird als ein beleibter Mann gedacht,
und Bezeichnungen wie ,feyszte Saw', ,feyszter Schlauch'
und ähnliche sind leicht bei der Hand.
Sobald bei Gadenstedt die Landsknechte nach ausdrücklicher
Vorschrift ,frölich und lustig' abgegangen sind, ,kan
der Fürhang für dem Tisch wider weggerücket werden' und
wir sehen die Fortsetzung des Gastmahls vor uns. Einer der
Anwesenden fordert auf, Gott durch ein Lied zu ehren. ,Itzo