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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

Kritische  Beiträge  zum  TV.  Buche  der  horazischen  Oden.

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5.  Ligurine  soll  in  zwei  Handschriften  des  Torrentius
stehen ;  statt  des  in  allen  unsern  Handschriften  überlieferten
ligurinum;  nur  in  o  stehen  die  Buchstaben  ri.nu  von  zweiter
Hand  auf  Rasur;  doch  wird  das  nichts  für  ligurine  bedeuten.
Man  erwartet  aber  entschieden  eine  Anrede.  Auch  kann  man,
sagt  Bentley,  schwerlich  logisch  richtig  sagen:  die  Purpurfarbe
der  Wangen  verwandelt,  verändert  den  Ligurinus  in  ein
struppiges  Antlitz,  wohl  aber:  die  Purpurfarbe  deiner  Wangen
verwandelt  sich  u.  s.  w.  Auch  Düntzer  erklärt  die  Anrede  für
durchaus  nothwendig;  wenn  er  aber  dann  fortfährt,  das  besser
bestätigte  Ligurinum  sei  unpassend,  so  hätte  er  vielmehr  sagen
sollen,  dass  es  die  allein  sicher  überlieferte  Lesart  ist.  Entstanden ­
  ist  dieser  Fehler  des  Archetyps  durch  oberflächliche
Construction,  indem  man  glaubte,  zu  verterit  gehöre  ein  Objectsaccusativ.
  Vgl.  den  Fehler  non  ante  versum  für  verso  c.  III  29,  2.
Torrentius-Bentley’s  Besserung  ist  somit  anzunehmen.
6.  te  speculo  —  te  in  speculo]  te  in  speculo  A'  B  X'  g,
(also  Mavortius,)  Lambin,  Bentley,  Obbarius,  Schütz  und  Andere;
te  speculo  I.  und  III.  Classe.  In  poetischer  Sprache  wird  bei
speculo  und  speculis  in  häutig  weggelassen,  so  Lucret.  IV  96.
Ovid.  a.  a.  III  681.  Martial.  II  66,  3.  speculo  wird  dabei  als  Instrumentalis ­
  gefasst.  Daher  natürlich  Verg.  ecl.  2,  25:  Me  in
litore  vidi.  Prosaisch  stebt  in  speculo  Cic.  in  Pison.  29,  71  und
schob  m  zu  epist.  I  5,  23:  Signißcat  se  habere  vasa.  a.rgentea
et  discum  argenteum,  ubi  imaginem  suam  quasi  in  speculo  videat.
Darum  erklärt  schob  m  unsere  Stelle  hier  durch  Ellipse  von  in:
,te  speculoj  in 1 .  Das  schlecht  bezeugte,  prosaische  te  in  speculo
ist  auch  desswegen  unmöglich,  weil  im  IV.  Buche  keine  langen
Vocale  elidiert  werden,  ausgenommen  c.  1,  35  f.  decoro  Inter  und
etwa  3,  24  spiro  et,  wo  aber  das  o  in  spiro  als  anceps  oder
kurz  anzusehen  sein  dürfte.  Es  ist  also  die  besonders  durch
Bentley’s  Schild  gedeckte  mavortische  Lesart  in  abzuweisen.
Vgl.  auch  c.  I  9,  23  die  Interpolation  von  a.  bei  lacertis  in
ß,  ebenso  von  a  bei  capellis  in  S  corr.  c.  I  17,  3.
IV  12.
13.  Adduxere  sitim  tempora,  Vergili.
Sed  pressum  Calibus  ducere  Liberum

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