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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

Kritische  Beitrüge  zum  IV.  Buche  der  horazischen  Oden.

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Augen  lagen?  Die  Philologen  beachten  diess  nicht  genug;  sie
schliessen  zu  leicht  und  rasch  auf  falsche  Lesarten,  Verschiedenheit ­
  der  Verfasser,  oder  suchen  sie  das  Widersprechende  durch
künstliche  Mittel  in  Einklang  zu  bringen'.  Man  hat  an  unserer
Stelle  schon  alle  drei  Mittel  sattsam  versucht;  man  hat  Conjecturen
  gemacht,  in  dispendia  (G.  Hermann),  oder  impmdia
(Cuningham),  oder  stipendici  (Döring  und  Alfr.  Wiedmann),  statt
incendia:  Niemand  hat  aber  eine  dieser  wohlgemeinten  Aenderungen
  meines  Wissens  in  den  Text  aufgenommen;  sie  haben  auch
ausserordentlich  wenig  Bestechendes  oder  gar  auf  die  Dauer
Ueberzeugendes.  Den  zweiten  Ausweg,  Annahme  verschiedener
Verfasser  (Interpolation),  haben  wir  schon  erwähnt;  ihn  haben
Bentley,  Buttmann,  Bernhardy,  Lachmann,  Meineke,  Haupt,
Linker,  Martin,  L.  Müller,  Prien,  Schütz,  Nauck,  Conrads  und
Andere  eingeschlagen.  Auch  das  letzte  Mittel,  das  bei  der
Bibelexegese  früher  so  gewöhnlich  war,  ,das  Widersprechende
durch  künstliche  Mittel  in  Einklang  zu  bringen',  ist  hier  versucht
worden,  besonders  von  Orelli,  welchem  Dillenburger,  Düntzer
und  Andere  beipflichten.  Man  sagt,  die  Ungenauigkeit  sei  nicht
so  gross;  Horaz  verwechsle  bloss  das  Verbrennen  der  Schiffe  und
des  Hafens  mit  einem  Verbrennen  der  Stadt  Karthago  selbst.
Allein  man  kann  das  Verbrennen  einiger  zum  Hafen  gehöriger
Gebäude  kaum  ein  ,Verbrennen  des  Hafens'  nennen,  der  doch
hauptsächlich  aus  unverbrennbaren  Steindämmen  nebst  dem
dadurch  eingeschlossenen  Wasser  besteht.  Und  das  Verbrennen
der  Flotte  Karthagos  mit  dem  weltberühmten  wirklichen  Brande
Karthagos  in  der  Stunde  seines  Todeskampfes  zu  verwechseln,
das  bliebe  immer  noch  ein  starker  Irrthum.  Es  bleibt  pure
Unnatur  und  Spitzfindigkeit,  die  incendia  Karthaginis  (man
beachte  auch  den  Pluralis,  etwa  unser  ,Riesenbrand'  —  es  war
ein  Brand  wie  der  von  Hamburg)  auf  die  Vernichtung  der
punischen  Flotte  im  Hafen  Karthagos  zu  beziehen.  Wie  Napoleon ­
  und  der  Brand  von  Moskau,  Tilly  und  die  Eroberung
von  Magdeburg,  Mummius  und  die  Zerstörung  von  Korinth  u.  s.  w.
zusammengehören,  so  auch  Scipio  Aemilianus  und  der  Brand
von  Karthago.  Aus  ,Scipio  und  dem  Brande  von  Karthago'
den  älteren  Scipio  und  seine  Verbrennung  der  karthagischen
Flotte  herauszudemonstrieren,  weil  diese  Deutung  den  betreffenden ­
  Schriftsteller  von  einem  Vorwurfe  befreit,  der  jedenfalls
            
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