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Keller.
Confusion auf den Sieger von Zama übertragen worden.
Ursprünglich bezog sie sicli auf L. Scipio, den Sohn des Barbatus,
vgl. die Inschrift seines Sarkophags C. I. L. I nr. 32:
Hone oino ploirume cosentiont R(omai) duonoro ovtumo fuise
viro Luciom Scipione. Beide Brutus werden verwechselt bei
Servius ad Verg. Aen. III 67. Bei Horaz selbst haben wir
noch andere historische Irrthümer. Was er von Thespis sagt
a. p. 276, ist unhistorisch, und in der Erzählung von Lucullus
epist. I 6, 40 macht er sich grosser Uebertreibung schuldig.
Geographische Verstösse finden sich bei Tacitus und Anderen,
z. B. Agric. 14: Mona = Anglesey statt = Man. Gegen die
Naturgeschichte vergeht sich Horaz und ohne Zweifel schon
sein Original in epist. I 7, 29. Es ist zwar übertrieben, wenn
man in moderner Zeit schon gesagt hat: ,Dichter haben das
Privilegium, sich nicht um Thatsachen kümmern zu dürfen',
oder wenn man, was auf das ziemlich Gleiche hinauskommt,
mit Glareanus die guy/ugi; beider Scipionen als poetische Licenz
erklärt. Aber ehe man zu Interpolationshypothesen schreitet,
dürfte man sich allerdings vergegenwärtigen, dass selbst den
gebildetsten Dichtern aller Zeiten Aehnliches passiert ist, wie
hier dem Horaz. Wie alt ist Hermann in Goethe’s ,Hermann
und Dorothea'? Niemand hält ihn für jünger als fünfundzwanzig
Jahre. Und doch erzählt die Mutter, es sei an einem Montag
Morgen vor nunmehr zwanzig Jahren gewesen, dass der Vater
ihr seine erste Liebeserklärung gemacht habe. Und dieser
Anachronismus ist nicht der einzige. Die Mutter geht durch
Garten, Feld, Weinberg und sieht die Fülle der Trauben, unterscheidet
auch bereits die reifenden der einzelnen Sorten. Gleich
darauf wird erwähnt, dass die Ernte folgenden Tages anheben
solle; Juli und September (wenigstens Ende August) sind verwechselt.
Der als Shakespearekritiker berühmte Rümelin
schliesst diese in seinen Reden und Aufsätzen niedergelegten Beobachtungen
mit folgender Warnung, S. 386: ,Wenn unter den
denkbar günstigsten Umständen einer dichterischen Composition
derartige Widersprüche und Mängel sich dauernd einnisten
können, was müssen wir dann für möglich halten in Schriftwerken
oder Dichtungen, die noch von jugendlichen, minder
welterfahrenen Autoren verfasst, . . . aus dunkleren Zeitaltern
stammen, dem Verfasser nie gedruckt und übersichtlich vor