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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

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Keller.

Confusion  auf  den  Sieger  von  Zama  übertragen  worden.
Ursprünglich  bezog  sie  sicli  auf  L.  Scipio,  den  Sohn  des  Barbatus,
  vgl.  die  Inschrift  seines  Sarkophags  C.  I.  L.  I  nr.  32:
Hone  oino  ploirume  cosentiont  R(omai)  duonoro  ovtumo  fuise
viro  Luciom  Scipione.  Beide  Brutus  werden  verwechselt  bei
Servius  ad  Verg.  Aen.  III  67.  Bei  Horaz  selbst  haben  wir
noch  andere  historische  Irrthümer.  Was  er  von  Thespis  sagt
a.  p.  276,  ist  unhistorisch,  und  in  der  Erzählung  von  Lucullus
epist.  I  6,  40  macht  er  sich  grosser  Uebertreibung  schuldig.
Geographische  Verstösse  finden  sich  bei  Tacitus  und  Anderen,
z.  B.  Agric.  14:  Mona  =  Anglesey  statt  =  Man.  Gegen  die
Naturgeschichte  vergeht  sich  Horaz  und  ohne  Zweifel  schon
sein  Original  in  epist.  I  7,  29.  Es  ist  zwar  übertrieben,  wenn
man  in  moderner  Zeit  schon  gesagt  hat:  ,Dichter  haben  das
Privilegium,  sich  nicht  um  Thatsachen  kümmern  zu  dürfen',
oder  wenn  man,  was  auf  das  ziemlich  Gleiche  hinauskommt,
mit  Glareanus  die  guy/ugi;  beider  Scipionen  als  poetische  Licenz
erklärt.  Aber  ehe  man  zu  Interpolationshypothesen  schreitet,
dürfte  man  sich  allerdings  vergegenwärtigen,  dass  selbst  den
gebildetsten  Dichtern  aller  Zeiten  Aehnliches  passiert  ist,  wie
hier  dem  Horaz.  Wie  alt  ist  Hermann  in  Goethe’s  ,Hermann
und  Dorothea'?  Niemand  hält  ihn  für  jünger  als  fünfundzwanzig
Jahre.  Und  doch  erzählt  die  Mutter,  es  sei  an  einem  Montag
Morgen  vor  nunmehr  zwanzig  Jahren  gewesen,  dass  der  Vater
ihr  seine  erste  Liebeserklärung  gemacht  habe.  Und  dieser
Anachronismus  ist  nicht  der  einzige.  Die  Mutter  geht  durch
Garten,  Feld,  Weinberg  und  sieht  die  Fülle  der  Trauben,  unterscheidet ­
  auch  bereits  die  reifenden  der  einzelnen  Sorten.  Gleich
darauf  wird  erwähnt,  dass  die  Ernte  folgenden  Tages  anheben
solle;  Juli  und  September  (wenigstens  Ende  August)  sind  verwechselt. ­
  Der  als  Shakespearekritiker  berühmte  Rümelin
schliesst  diese  in  seinen  Reden  und  Aufsätzen  niedergelegten  Beobachtungen ­
  mit  folgender  Warnung,  S.  386:  ,Wenn  unter  den
denkbar  günstigsten  Umständen  einer  dichterischen  Composition
derartige  Widersprüche  und  Mängel  sich  dauernd  einnisten
können,  was  müssen  wir  dann  für  möglich  halten  in  Schriftwerken ­
  oder  Dichtungen,  die  noch  von  jugendlichen,  minder
welterfahrenen  Autoren  verfasst,  .  .  .  aus  dunkleren  Zeitaltern
stammen,  dem  Verfasser  nie  gedruckt  und  übersichtlich  vor
            
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