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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 90. Band, (Jahrgang 1878)

Kritische  Beiträge  zum  1Y.  Buche  der  horazischen  Oden.

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19.  Albanos  prope  te  lacus
Ponet  marmoream  sub  trabe  citrea.
21.  lllic  plurima  naribus
Duces  tura,  lyraeque  et  Berecynthiae
23.  Delectabere  tibiae
Mixtis  carminibus  non  sine  fistula.
22.  23.  Lyrae  .  .  .  Berecynthiae  .  .  .  tibiae.\  So  stand  sicher
im  Archetyp;  denn  für  lyrae  und  Berecynthiae  sind  alle  unsere
Haupthandschriften,  und  tibia  steht  nur  in  cod.  <p,  tybia  in  R:
also  ist  die  allergrösste  Wahrscheinlichkeit,  inan  könnte  wohl
sagen  Gewissheit,  dass  tibia  erst  spät  in  einer  Handschrift  der
III.  Classe  entstanden  ist  und  zwar  kann  tibia  vom  Abschreiberstandpunkt ­
  sehr  wohl  als  lectio  facilior  angesehen  werden,  weil
es  neben  delectabere  steht;  aus  delectabere  tibiae  konnte  in  der
oberflächlichen  Manier  zu  corrigieren,  wie  sie  in  den  Klöstern
zu  Anfang  des  Mittelalters  vielfach  herrschte,  ohneweiters
delectabere  tibia  gemacht  werden,  indem  die  Construction  des
ganzen  Satzes  nicht  überblickt  und  erfasst  wurde,  gerade  wie
sonst  gegen  jedes  Gesetz  des  Versmaasses  unbedenklich  gesündigt ­
  wird.  —  Also  die  erste  Veränderung  war  delectabere
tibiae  zu  tibia  (in  cp  R  nebst  p  p  a  g  und  Bland,  vetust.),  diess
zog  dann  weiter  die  Aenderuugon  Berecyntliia  und  lyra  nach
sich,  weil  ohne  diese  weiteren  Aenderungen  die  Construction
an  offenbaren  Fehlern  litt;  so  entstanden  allmählich  die  drei
Varianten:  lyra,  Berecyntliia,  tibia.  Diese  dreifache  Variante
findet  sich  nur  in  g  und  dem  Blandinius  vetustissimus,  welche
beide  Handschriften  auch  c.  I  15,  2  die  falsche,  entschieden
secundäre  Variante  Helenam  bieten.  Beidemale  (c.  I  15  und
hier)  theilt  noch  cod.  a  die  Corruptelen,  nur  bietet  er  hier
berecinthie.:  damit  scheint  mir  der  Versuch  gemacht  zu  werden,
bloss  tibiae  und  lyrae  abzuändern,  bei  Berecynthiae  aber  die
Lesart  des  Archetyps  zu  erhalten,  indem  man  construierte:
die  Flöte  der  (Göttin)  Berecyntliia.
Durch  die  Verehrung  von  Bentley  und  auch  Meineke,
welche  beide  die  falsche  Lesart  protegierten,  und  durch  den
jener  einstigen  Hauptbasis  der  Horazkritiker,  des  Cruquius  und
seiner  blandinisehen  Handschriften,  resp.  seiner  Collationen  der  blandinischen
  Handschriften,  überzeugend  nachzuweisen.
            
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