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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Joseph  Ohme  1.

Er,  das  Oberhaupt  eines  grossen  weitausgedehnten  Reiches,
das  nur  durch  die  persönlichen  Eigenschaftön  des  Mut  lies,  der
Strenge,  der  Tapferkeit  in  Ordnung  erhalten  werden  konnte,
der  Aelteste  eines  Hauses,  das  seine  Lande  in  den  schwierigsten
Verhältnissen  und  in  nicht  selten  feindlicher  Nachbarschaft  nur  durch
umsichtige  Energie  und  allzeit  schlagfertige  Rüstigkeit  behaupten
konnte,  der  Vormund  eines  Knaben,  der  Erbe  von  Ungern  und
seinen  Nebenländern,  von  Böhmen,  Mähren,  Schlesien,  von  Oesterreich
u.  s.  w.  war,  aber  nur  in  einem  Tlieile  dieser  Lande  aufrichtige  Anerkennung, ­
  Liebe  und  Hingebung  erwarten  durfte,  da  er  mit  dem  Erbe
seines  Vaters  auch  dessen  Feinde  erbte,  hätte  ganz  andere  Eigenschaften ­
  bedurft,  um  den  äusserst  schwierigen  Verhältnissen  zu  genügen, ­
  ihrer  Meister  zu  werden.
Diese  eiserne  Zeit  brauchte  einen  Mann,  dem  selbst  kriegerisches ­
  Wesen  nicht  fremd  sein  durfte.
K.  Friedrich  war  klug,  friedliebend,  gerecht,  fromm,
aber  unentschlossen,  weich,  und  Beschäftigungen  hing
  e  g  e  b  e  n,  die  seinen  R  e  g  en  te  il  pflichte  n  hinderlich  waren.
Mit  Vorliebe  pflegte  er  Bauten  und  Oekonomie,  nebst  ihnen  waren
religiöse  Uebungen  und  kirchliche,  besonders  klösterliche  Angelegenheiten ­
  seine  Hauptbeschäftigung.
Man  kann  K.  Friedrich  in  den  ersten  Jahren  seines  Reichsregimentes ­
  durchaus  nicht  der  Unthätigkeit  beschuldigen,  schon  das  einfache ­
  Itinerar  weist  einen  grossen  Wechsel  des  Aufenthalts  nach;
indess  beweisen  eine  grosse  Menge  von  Correspondenzen  und  Urkunden ­
  aus  diesen  Jahren,  dass  er  schon  damals  weniger  Mann  des  Handelns ­
  als  der  Unterhandlungen  war,  die  keineswegs  zum  Ziele
führten.
Lieblingsideen  des  frommen  Friedrich’s  waren  eine  Reihe  von
kirchlichen  Stiftungen  in  seinem  Lieblingsaufenthalte  in  Wiener
Neustadt.
In  einer  Zeit,  wo  in  Oesterreich  die  grösste  Unsicherheit
herrschte,  wo  unbefriedigte  Söldner  Räubereien  übten,  feindliche
Ueberfälle  aus  dem  benachbarten  Ungern,  aus  Mähren  dem  Lande
grosses  Wehe  brachten,  verhandelte  Kaiser  Friedrich  nicht  bloss  die
freilich  hochwichtige  Beilegung  des  Kirchen-Schisma,  die  übrigens
durchaus  keinen  Einfluss  hatte  auf  die  Sittenverbesserung,  sondern
er  betrieb  aufs  Angelegentlichste  auch  mehrere  Stiftungsangelegen-
            
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