Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

62

Joseph  Chmel.

Labyrinth  dieser  selbstsüchtigen  Bestrebungen  ins  Einzelne
verfolgt,  dann  wird  auch  diese  Periode  lehrreich  und  interessant,
wenn  gleich  das  Interesse  mehr  ein  pathologisches  ist.
Auch  Kaiser  Friedrich  IV.  hielt  sich  von  diesem  Streben  nicht  frei,
wie  konnte  er,  da  es  ein  allgemeines  war  und  gerade  er  und  sein
Haus  von  ihm  am  meisten  zu  leiden  hatten;  wir  werden  im  Verfolg
unserer  Betrachtungen  sehen,  dass  des  klugen  Kaisers  Sinn  und
Trachten  auf  Begründung  materiellen  Wohlstandes  gerichtet  war,  um
eben  dadurch  den  Angriffen  so  vieler  Gegner  und  Neider  gewachsen
zu  sein.  Zahlreiche  Käufe  und  Erwerbungen  liegender  Güter  beschäftigten ­
  ihn,  oft  mehr  als  es  der  von  allen  Seiten  hereinbrechenden
Unsicherheit  und  Notli  entsprechend  war.  Da  aber  besonders  bei
Tauschhandlungen  und  Käufen  solcher  Güter,  welche  in  Händen
geistlicher  Corporationen  und  Orden  gewesen,  die  grösste  Vorsicht ­
  räthlich  war,  indem  in  der  geistlichen  Hierarchie  stets  die
Bestätigung  der  Obern  stattfinden  muss,  um  jeden  solchen  Act
nach  canonischem  Rechte  vollkommen  gültig  zu  machen,  so  war  ein
solches  Privilegium,  wie  K.  Friedrich  Mendt  vom  Papste  Nicolaus  V.
erhielt,  gewissermassen  eine  eventuelle  Bestätigung  aller  derlei
Acquisitionen.
Wir  finden,  dass  der  gejvissenliafte  Kaiser  nicht  bloss  das  Kirchenvermögen
  respectirte  und  weit  davon  entfernt  war,  sich  einseitige ­
  Verfügungen  darüber  zu  erlauben,  sondern  dass  er  sogar  die
päpstliche  Intercession  in  Anspruch  nahm,  wenn  es  sich  darum  handelte, ­
  weltliches  Besitzthum  zu  reclamiren,  das  zufälliger
Weise  im  zeitlichen  Fruchtgenusse  geistlicher  oder  weltlicher  Personen ­
  war.  —
Die  Sache  ist  von  hohem  Interesse.  Nach  der  damaligen
Staatswirthschaft  waren  Verpfändungen  von  Staatsgütern,  das  heisst
von  landesfürstlichen  Burgen  und  Herrschaften  die  Hauptmittel
zu  baarem  Gelde  zu  gelangen;  die  Pfandinhaber  bezogen  die  Renten
und  blieben  in  deren  Besitze,  bis  die  Pfandsumme  derselben  baar
ausgezahlt  wurde,  was  oft  lange  Zeit  nicht  geschehen  konnte.  Nicht
selten  war  das  Darlehen  in  einigen  Jahren  durch  die  jährlichen
Renten  getilgt,  die  Pfandinhaber  bezogen  sie  aber  fort  und  fort,  weil
das  baare  Geld  zur  Einlösung  fehlte.  —•  K.  Friedrich,  der  diesen
Uebelstand,  man  darf  sagen,  diese  Verschleuderung  der  landesfürstlichen ­
  Bezüge  nicht  länger  dulden  wollte,  beschloss  ein  anderes
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.