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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Joseph  C  h  m  e  1.

und  jede  Mängel,  welche  aus  Ursache  des  Ortes,  der  Zeit,  des  Stuhles
(erzbischöflichen),  der  Person  oder  wie  sonst  immer  vorgeworfen
werden  könnten  —  und  damit  nicht  der  geringste  Zweifel  wegen
dieser  Uebergabe  und  Zuweisung  erhoben  werden  könne,  wollen
wir  und  beschliessen,  dass  gegenwärtige  Bulle  darüber  volle  Beweiskraft ­
  habe  und  die  Sache  keines  weitern  Beweises  bedürfe.
Dieser  einzelne  Fall  soll  jedoch  dem  Bechte  und  der  Gewohnheit  des
lombardischen  Reiches  und  des  Erzbischofs  nichts  vergeben,  sie
bleiben  unversehrt.”
Wichtiger  und  charakteristischer  noch  ist  die  zweite  Bulle,
welche  in  wenig  Worten  die  ganze  römische  Theorie  des  christlichen ­
  Staaten-und  Völkerrechtes  entwickelt.  „Gott  ist  —
der  ewige  Kaiser,  der  alles—Himmlisches  und  Irdisches  —  leitet,
er  hat  den  Erdkreis  zum  Besten  der  Menschen  in  gewisse  Reiche
getheilt.  Als  dieselben  von  der  wahren  Kenntniss  ihres  Schöpfers
und  seiner  Verehrung  abwichen,  hat  er  seinen  eingebornen  Sohn
geschickt,  um  sie  zurückzuführen.  Als  dieser  zum  Vater  zurückkehrte
hat  er  den  ersten  der  Apostel  zu  seinem  Stellvertreter  eingesetzt,
damit  derselbe  über  das  Heil  Aller  wache  und  den  ihm  anvertrauten
Völkern  zu  ihrem  Heile  vor  st  ehe.  Wir  nun,  die  wir,  obgleich  unwürdig, ­
  vom  Herrn  zum  Nachfolger  dieses  Apostel-Fürsten  in  seinem
Statthalter-Amte  bestellt  wurden  und  durch  seine  Barmherzigkeit  der
streitenden  Kirche,  unter  welcher  auch  das  heilige  römische  Reich
dem  (ewigen)  Kaiser  dient,  vorstehen,  verwalten  freudig  mit
wachsamer  Sorgfalt  das  uns  anvertraute  Amt,  damit  die  Gerechtsame
dieses  (ewigen)  Kaiser-Reiches  und  der  einzelnen  (darin  bestehenden) ­
  Reiche  unter  erspriesslicher  Leitung  zur  Ehre  des  göttlichen
Namens  zur  Verbreitung  des  katholischen  Glaubens  und  zur  Beglückung ­
  des  ganzen  (christlichen)  Staates  treu  gewahrt  und  mit
Erfolg  geleitet  werden.”
„Nachdem  durch  den  Tod  des  römischen  Königs  Albrecht  das
römische  Reich  verwaist  war,  haben  unsere  Brüder  und  Söhne  die
Churfürsten  ihr  Augenmerk  auf  das  Haus  Oesterreich  gerichtet
(dem  auch  Albrecht  angehörte)  und  den  Herzog  Friedrich  einmüthig
  zum  römischen  König,  künftigen  Kaiser  erwählt,  in  der  Hoffnung, ­
  derselbe  werde  sich  bemühen,  der  redlichste  Nachahmer  seines
Vorgängers,  Albrecht,  zu  sein,  welchen  die  ganze  Kirche  als  katholischen ­
  und  frommen  Fürsten,  als  Eiferer  für  die  Gerechtigkeit  als
            
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