Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

520

H.  J.  Z  ei  big.

Besitzungen  von  Seite  der  Landesherrn  durch  die  sogenannte  Hussitensteuer
  geplündert  und  zum  Auswandern  genöthigt,  andererseits
die  Stifte  durch  die  angestellten  Visitationen  und  Reformationen,  wozu
man  Karthäuser,  Mönche  und  Weltpriester,  tvelche  Doctoren  sind,
verwende,  übermässig  belastet  und  ungebührlich  gedrückt  werden.
Was  das  Stift  Salzburg  selbst  betrifft,  solle  die  Visitation  und
Reformation  in  geistlichen  und  weltlichen  Angelegenheiten  einzig  und
allein  dem  Erzbischöfe  (damals  Johann  von  Reichensberg,  1429—
1441)  übertragen,  auch  wegen  des  adeligen  Charakters  der  Capitularen
  nicht  mit  derselben  Strenge,  wie  anderswo  vorgegangen  werden. ­
  Insbesondere  soll  ihnen  der  durch  eine  Verjährung  von  mehr
als  300  Jahren  eingeführte  Gehrauch,  dass  der  Einzelne  den  Fruchtgenuss ­
  seiner  Präbenden  für  sich  seihst  beziehe  und  verwende  (obgleich ­
  mit  der  eanonischen  Lebensweise  unverträglich)  belassen,  dem
Umherschweifen  der  Karthäuser  und  anderer  Mönche  an  den  fürstlichen ­
  Höfen  aber  gesteuert  werden.
Mit  diesen  Aufträgen  kam  Colomann  zu  der  Zeit  in  Basel  an,  als
die  böhmischen  Gesandten,  an  ihrer  Spitze  Procop  und  Rokicana,  daselbst ­
  cinritten,  und  die  Berathungen  über  die  Beilegung  der  hussitischen
  Ketzereien  begannen.  Die  grösste  Schwierigkeit  machte  die
von  den  Böhmen  beanspruchte  Communion  sub  utraquc,  dann  das
noch  nicht  ganz  hergestellte  freundschaftliche  Verhältniss  zwischen
Papst  und  Concil.  Thomas  von  Haselbach  fragte  desshalb  in  treuem
Festhalten  an  dem  eidlich  geleisteten  Versprechen  bei  der  Wiener
Universität  an,  wie  er  sich  zu  verhalten  habe,  wenn  die  Frage  über
die  Communion  sub  utraquc,  oder  allenfalls  die  Absetzung  des  Papstes ­
  Eugen  IV.  und  eine  Neuwahl  zur  Entscheidung  käme,  unter
gleichzeitigem  Ansuchen,  die  Hochschule  möge  in  dieser  Beziehung
vorerst  die  Ansicht  des  Landesherrn  erforschen  und  zugleich  mit  der
eigenen  Willensmeinung  ihm  bekannt  geben.  Die  Hochschule  an  der
Katholicität  streng  festhaltend,  beschloss  in  voller  Sitzung  (16.  März
1433),  Haselbach  habe  der  Communion  unter  beiden  Gestalten  bis  zum
Äussersten  entgegenzuwirken,  im  Falle  aber  die  Forderung  der  Böhmen ­
  durchginge,  sofort  sein  Mandat  niederzulegen,  und  zurückzukehren. ­
  Die  Berathung  der  zweiten  Anfrage  wurde  einem  besonderen ­
  Ausschüsse  überlassen 1 ).

1 )  Mitterndorf,  1.  c.  p.  läS.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.